So nach einer kurzen Pause geht es weiter, ich bin ja lange noch nicht zu Hause…
14.07.2006; Zu guter letzt…
Am letzten Tag der Tour stand dann nochmal die Maira-Stura-Kammstraße (2416 m, Kz 438) auf dem Programm. Über den Collenetto di Canósio (auch Colle San Giovanni genannt) (1650 m, Kz 439) ging es ins Preit-Tal um von dort auf die Hochalmen im Bereich zwischen 2000 und 2400 Meter auf zu steigen. Wie das bei Google Earth aussieht habe ich schon weiter oben dargestellt. Nach einer kleinen Kaffee-Pause im Rifugio am Colle del Preit ging es dann ums große Rund, rund um den Bric Servagno (2480 m), der wie bei einem Roulette-Kessel in der Mitte steht.

Hochalmen um den Bric Servagno

Die Rocca la Meja (2831 m) immer im Blick
Kurz nach der obligatorischen Mittagsrast mußten wir am Colle Cologna (2394 m) etwas langsam fahren, ein Felssturz hatte Teile der Fahrbahn blockiert und die großen Fahrzeuge mußten zentimeterweise eingewiesen werden. Vitaras und Jimnys haben damit natürlich kein Problem, es reichte sogar noch zum aussteigen und fotogaphieren…

Felssturz am Colle Cologna (2394 m)

kein Problem für einen Vitara
Über den Colle Valcavera (2416 m) ging die Fahrt nun wieder zum Colle dei Morti (2481 m, Kz 437), den wir am Vortage schon mal besucht hatten, nur heute war das Wetter wesentlich freundlicher. Der Paß hat vier Zufahrten und wir nahmen jetzt die letzte auch noch unter die Räder. Über Asphalt ging es hinunter ins Grana-Tal nach Pradlèves. Die nächste Bar war dann wieder unser, um uns mit Espresso zu stärken.

Das Santuario di San Magno (1760 m) im Grana-Tal
Da die angedachte Straße über den Colle del Gerbido, laut der Aussage Einheimischer mit zu befahren sein und angesichts der zur fortgeschrittenen Stunde fehlende Experimentierfreude, fuhren wir das Grana-Tal weiter hinunter und überquerten bei Montemale di Cuneo den Höhenrücken zum Maira-Tal und fuhren wieder nach Acceglio zurück. Nach fünf Tagen fast nur Schotter war es wieder einmal ganz angenehm glatten Asphalt unter den Rädern zu haben, zudem mit dem Vitara das Cruisen auf der geschwungenen, gut ausgebauten Straße auch einen Heidenspaß macht.
Der letzte Abend war angebrochen und eine gewisse Wehmut machte sich breit. Aber nach einem guten Abendessen und einigen Grappas besserte sich die Stimmung zunehmend. Unser Touren-Leiter Gunther Schneider meinte noch den Abend mit einem Quiz auflockern zu müssen, was haushoch für mich entscheiden konnte; wenn er auch ständig nur nach irgendwelchen Pässen, Gipfel und Straßennamen fragt… ![]()

Abschiedsstimmung – und alle lachen…
15.07.2006; Richtung Heimat
Oder doch nicht so ganz… Ich hatte noch ein paar Tage Zeit und wenn man schon mal hier ist…
Also am Morgen war erstmal Verabschieden angesagt. Die Gruppe verstreute sich in alle Richtungen und ich nahm die nach OBEN. Im Denzel stand etwas von einem Paß hinter Acceglio mit immerhin 2830 Meter – also hinauf – so hoch war ich dieses Jahr noch nicht gewesen.
Die Strecke hinter Acceglio zum la Colletta (2830 m, Denzel Kz 434) ließ sich eigentlich ganz gut fahren. Ich habe für die Hin- und Rückfahrt ca. 3 Stunden benötigt. Auf ca. 1850m, bevor die Straße bei einem Wasserfall über eine Brücke führte, lag zwar ein Felsblock auf der Straße, die Durchfahrt war aber immer noch 2 Meter breit (nachgemessen!). Auf 2500m, ebenfalls bei einem Wasserfall mit Brücke, stand dann ein einfaches Verbotsschild. Die Straße wurde dann wegen Erdrutsche und Wasser etwas schmierig und teilweise schlammig, aber nichts was einen Vitara aufhalten kann. Nach der letzten Kehre auf 2800m, noch teilweise mit Altschnee bedeckt, aber mit genügend Platz zum Wenden, ging es dann nicht mehr weiter, weil der Weg halb verschüttet war (siehe unten). Die letzten Meter bin ich dann eben zu Fuß gegangen bis zur Passhöhe auf 2830 m. Höher ging es nimmer…
Wenn man schon glaubt, daß es irre sei mit dem Auto dort hoch zu fahren, dann frage ich mich was man von den Mountainbiker und Wanderen halten soll, die sich da hoch quälen? Ich hab dann immer ein schlechtes Gewissen wenn ich, fröhlich ein Liedlein pfeifend, einfach so an denen vorbei ziehe, wärend die sich die Lunge aus dem Leib keuchen…

Höhepunkt der Reise; wortwörtlich

Weiterfahren wäre zu riskant

Einsames Hochtal: Vallone Traversiera

Aber tolle Wege…
Nachdem ich noch einen Hügel nördlich von Acceglio erkundet und dort ein wenig gevespert hatte trieb mich ein Unwetter, das von Westen nahte, in die Flucht. Also das Maira-Tal gen Osten hinunter und… da war doch noch was… ach ja, die Varaita-Maira-Kammstraße (2310 m, Kz 433), nördlich des Maira-Tales gelegen und sowieso in meiner Fahrtrichtung…
Durchs wild-romantische Elva-Tal, oder soll man besser Schlucht dazu sagen, mit seinen Tunnel und engen Kehren ging es hinauf zum Colle di Sampéyre (2284 m, Kz 432) und dann über die Kammstraße wieder in Richtung Osten. Am meisten machte mir das Wetter Sorgen. Dunkele Wolken hingen auf gleicher Höhe mit mir und ich wollte nicht unbedingt in ein Unwetter geraten, aber je weiter ich kam, desto mehr verflüchtigten sich diese. Durch blühende Weisenhänge und durch Schotterfelder, durch zugewachsene Wege und durch enge Serpentinen ging es über den Colle Birrone (1700 m) und vorbei am Santuario di Valmala (1379 m) hinab ins Varaita-Tal

Die Elva-Schlucht

Am Colle Rastcias (2170 m)

Blühende Wiesenhänge und Schotterfelder wechseln sich ab
So, wie weiter? Nach Osten über die Autobahn nach Hause oder nach Westen, wieder in die Berge? Dumme Frage, ich hatte noch ein paar Tage Zeit, also das Varaita-Tal wieder hinauf. Genächtigt habe ich dann in einem Albergo in Pontechianale, mit vier (zu)jungen, hübsche Wirststöchtern und einer abenteuerlichen Treppenkonstruktion. ![]()
16.07.2006; Tour de France
Weiter geht es Richtung Frankreich, über den Colle dell‘ Agnello (2746 m, Kz 430) hinunter ins Queyras. Schnell noch einen Abstecher auf den Sommet-Bucher (2257 m, Kz 515) um die herliche Aussicht zu erleben (naja, ein bischen Fahrspaß war auch noch mit dabei…).

Blick vom Colle dell‘ Agnello (2746 m)nach Frankreich

Die Gegenrichtung vom Sommet-Bucher (2257 m)
Weiter ging es dann über den von Tour-de-France-Fan belagerten Col d‘ Izoard (2361 m, Kz 511) nach Briancon (1321 m) der höchst gelegenen Stadt in Europa. Zwei Tage später fuhren die Radprofis über den Paß und ich hätte Pech gehabt mit meiner Fahrt gen Norden. Also machte ich mich schnellstmöglich aus dem Staub um nicht in das Verkehrchaos der Wohnmobilisten, Radfahrer und sonstiger Schaulustiger zu geraten, die die Strecke belagerten.

Campingplatz auf 2300 Meter Höhe

Verkehr wie in einer Fußgängerzone
Hinter Briancon fuhr ich nochmal schnell auf den Croix-de-Toulouse (1973 m, Kz 506) um die Aussicht auf das alte Festungsstädtchen zu genießen. Mein Versuch über den Col de Granon (2413 m, Kz 504) ins Clareé-Tal zu kommen scheiterte an den eindeutigen Verbotsschilderm und am hohen Publikumsaufkommen. Also versuchte ich ein paar andere vielversprechende Strecken, welche aber alle in Sackgassen endeten. Ein alleiniges Weiterfahren wäre einfach zu riskant gewesen, obwohl dort irgend welche Wege weiter führten, z.B war ich am Col de Buffère (2431 m, Kz 505) und ein paar Wege weiter unterhalb. Aber die Wege endeten einmal ein einem Brunnengebiet und einmal in einem Geisterdorf, wo ich keinen Ausweg fand.

Briancon von oben

herrliche Schotterpisten…

..endeten leider immer in einer Sackgasse, hier in einem Geisterdorf
Der Rest des Tages ist schneller erzählt als gefahren. Ansich wollte ich in Briancon Station machen, aber als ich an der Festung ausstieg um mich nach einer Herberge umzusehen, brach ein fürchterliches Gewitter los. Das als Fingerzeig nehmend machte ich mich wieder auf die Piste und fuhr über den Col de Montgenèvre (1850 m, Kz 509) wieder Richtung Italien, da ich eh am nächten Tag dort die Assietta-Kammstraße befahren wollte und da ich keine Lust hatte mir im Unbekannten ein Quartier zu suchen fuhr ich wieder zum Mont-Cenis-Stausee hinauf ins Hotel Malamot, wo ich die Wirtsleute, die Zimmer und das gute Essen schon kannte.
Wird fortgesetzt, es fehlen noch zwei Tage…
Mottek

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