…und weiter geht es mit meinem Reisebericht…
27.12.2006; Ab in die Wüste
So, vorerst das letzte mal in einem Bett geschlafen, das letzte mal geduscht, das letzte mal beim, na ihr wisst schon…, etwas in Ruhe gelesen…
Heute geht es in den Grand Erg Oriental, der großen östlichen Sandwüste.
Das Gepäck wird verstaut, die Lebensmittel auf die einzelnen Fahrzeuge verteilt, wobei ich hier eine der wenigen Vergünstigungen hatte, daß ein anderer Mitfahrer meine Kiste noch in seinen Land Cruiser verstaute; der Vitara war einfach voll! Wir reihen uns in die Kolonne ein, immer ein Auto ohne Winde zwischen zwei Fahrzeuge mit Winde. Die schwächeren Fahrzeuge und Fahrer nach vorne, damit sie noch gut fahrbare Bedingungen vorfinden, die „richtigen Geländewagen“[TM] nach hinten. Als dann auch endlich unser Führer eintraf, setzte sich die Karawane langsam in Bewegung. Das Abenteuer beginnt ![]()
Wir verlassen Douz in südliche Richtung und kämpfen uns durch ein Dünengebiet mit lauter kleinen Dünchen: auf und nieder – immer wieder.
Mittagsrast machen wir dann an einem Café mitten in der Wildnis. Man kennt sich hier und so ist es auch kein Problem, daß wir Tische und Stühle okkupieren und die vom Tour-Leiter mitgebrachten Speisen verköstigen. Es gibt so exotische Sachen wie Streichleberwurst, Salami, Käse und Gewürzgurken. Gut daß ich in Douz ein paar Büchsen Harissa eingekauft hatte. Zum krönenden Abschluß gab es dann noch einen frischen Kaffee vom Wirt.
Weiter geht es Richtung Nationalpark Jebil, der leider mittlerweile fast vollständig von einem häßlichen Zaun umgeben ist. Also bleibt uns nichts anderes übrig den Park auf einer Holperpiste zu umrunden.
Dann nach Süden in Richtung Tembain, eines riesigen Tafelberges in Mitten der Wüste. Eine erste Dünenkette wird problemlos gemeistert und die ausgefahrenen Spuren sagen uns, daß hier wohl ein reger Verkehr herrscht.

Gut ausgefahrene Strecke
Etwas abseits der Piste wird dann auch schon baldig das erste Camp aufgeschlagen. Der Aufbau der Gemeinschaftszelte muß eingeübt werden und auch sonst wollten wir uns keinen Streß machen.

Gemeinsamer Zeltaufbau
Danach baut sich ein jeder seine eigene Schlafstatt, während Gunther Schneider mit seiner Frau Lilijana sich um das Abendessen kümmerte. Meist gab es etwas Leckeres aus der Suppenküche, angereichert und verfeinert vom Chef persönlich und auf einen Nachtisch mußten wir auch nicht verzichten. Klar, daß man in der Wüste Probleme hat frische Ware zu bekommen, aber das Essen war immer schmackhaft und reichlich. Hungern auf einer Tour mag ich gar nicht!
Zwischenzeitlich war von unserem Führer Amor immer schon ein Lagerfeuer entfacht worden und meist war auch schon das erste Wüstenbrot in der Glut gebacken.
Nach dem Abendessen und dem gemeinsamen Aufräumen und Abspülen traf man sich dann am wärmenden Feuer, denn nach Sonnenuntergang wird es empfindlich kühl in der Wüste.

Lagerfeuerromantik

…und wenn das Lagerfeuer nicht reicht hilft vielleicht kuscheln
28.12.2006; Tembain
Die Nacht war kühl und feucht. Nicht was ihr schon wieder denkt…
Es hatte in der letzten Zeit recht heftige Regenfälle in Tunesien gegeben und auch die Wüste hat so einiges davon abbekommen. Der Sand war schön feucht und fest, was zwar für das Fahren toll war, aber der Camp-Abbau verzögerte sich auch nicht unerheblich, weil alle Zelte und alle Dinge die nachts draußen blieben auch klamm und feucht waren.

Sonnenaufgang im Nebel

Eine wärmende Tasse Kaffee – ohne das würde ich nicht mitfahren…
Nach einem ordentlichen Frühstück, natürlich wieder mit selbstgebackenen Wüstenbrot, wurde dann das Camp abgebaut und es ging wieder auf die Piste. Unser heutiges Ziel waren die Berge des Tembain, zwei riesige Tafelberge aus Korallen- und Muschelgestein mitten in der Sandwüste. Zwischen den Bergen hindurch ging es hinunter in eine Senke mit einem uralten Karawanenbrunnen. In den steinigen Boden wurde vor unendlicher Zeit ein 50 m tiefes Loch gegraben, nur leider ist dieser Brunnen, wie so viele andere mittlerweile versiegt.

Zwischen den Tafelbergen

Auch kleine Sandhaufen können ihre Tücken haben

Am Bir Tembain

Gruppenfoto mit Brunnen
Auf der gleichen Spur ging es dann wieder aus dem Tembain-Becken hinaus. Am Jebil, was einfach nur Berg heißt, machen wir eine Mittagsrast und dann nahmen wir Kurs auf die Oase Ksar Ghilane. Ein Stück folgten wir der autobahnbreiten Piste um sie dann nach Süden zu verlassen und mitten im Niemandsland des Erg Zmilet unser Lager aufzuschlagen. Der Aufbau der Zelte ging nun auch viel einfacher von der Hand und so blieb auch genügend Zeit den herrlichen Sonnenuntergang zu genießen.
Auch mein neues Zelt bewährte sich bestens. Dank eines patentierten Mechanismus wir es mit einem Handgriff, wie ein Regenschirm, aufgespannt. Mit 145 cm Innenhöhe und einem kleinsten Durchmesser von 240 cm ist es auch groß genug, daß man sich darin noch bewegen kann.

Mein neues Superzelt ![]()

Vitara im Sonnenuntergang

Faszinierendes Farbenspiel am Abendhimmel
Abendessen und Lagerfeuer schlossen auch diesen Tag ab.
29.12.2006; Ksar Ghilane
Das morgendlich Warten auf den Sonnenaufgang. Vorher ist es einfach zu kalt um den wärmenden Schlafsack zu verlassen. Brrrr. Sobald die Sonne scheint kann man es wagen die Nase wieder aus dem Zelt zu strecken. Das Frühstück mit heißen Kaffee lockt und so überwindet man den inneren Schweinehund.
Schlafsack und Luftmatratze zusammen legen, das Zelt abbauen, das ganze Gerümpel wieder ins Auto räumen und fest verzurren. Das Ganze wird mittlerweile zur Routine. Auch daß einige Heißsprorne morgens noch ein bisschen mit dem Pickup spielen und sich dabei regelmäßig festfahren und wieder von der Düne gezogen werden müssen. ![]()

Morgendliche Frühgymnastik

Holztransporter

Im Formationsflug über die Piste
Nach einen Abstecher ins Bibène-Gebiet zum Holzsammeln geht es wieder auf die Piste nach Osten. Nach der obligatorischen Mittagsrast am einem Café, kurz vor dem berüchtigten Dünengürtel, geht es immer weiter unserem heutigen Ziel entgegen: Die Oase Ksar Ghilane mit dem dazugehörigen Fort in den Dünen.

In Reih und Glied am Aussichtspunkt

Die alte Festung versteckt sich im Sand

Westliche Auffahrt zum Fort

Vitara-Video (zum Video, ca. 5,5MB)

Im Hintergrund ist die Oase zu erkennen
Nachdem wir ausgiebig das alte Gemäuer inspiziert, bzw. andere ihr Vehikel wieder aus dem Sand geborgen hatten, sollte nur noch der Katzensprung in die Oase gefahren werden, um den Tag gemütlich am Pool ausklingen zu lassen. ![]()
Leichter gesagt, als getan! Die Spur war dermaßen zerfahren, daß wir aller größte Mühe hatten da durch zu kommen. Ein steiler Hang erwies sich für einige als fast nicht zu schaffen, ein andere Teilnehmer stand in bedrohlicher Schräglage in einem Sandloch und konnte erst durch das beherzte Eingreifen eines Berge-Unimogs sicher aus seiner mißlichen Situation befreit werden. Und bei der wilden Hatz durch die Sandberge driftet ich aus der Spur und stand auf einmal mit dem linken Vorderrad auf einem Kamelgrasbüschel, das recht grüßend in die Luft erhoben. Aber genau das ist der Grund, warum man nicht alleine solche Touren unternehmen sollte. Der Kollege hinter mir zog mich mal kurz wieder runter und schon ging die Fahrt um den Busch herum weiter.

Gerade so geschafft

Das letzte Stückchen fehlt einfach noch

Vitara in Not
Mit einbrechender Dunkelheit erreichten wir endlich alle die Oase und schlugen unser Camp im Tamariskenhain auf. Die Bäume schützen gut vor Kälte und Nässe, so daß wir uns den Aufbau des Gemeinschaftszelts sparten. Lieber gingen wir gleich an den warmen Pool um uns den Dreck der letzten Tage abzuspülen.
Im Pool von Ksar Ghilane liegen, den Sternenhimmel über sich und eine Büchse Bier in der Hand – Herz was willst du mehr ???
Fortsetzung folgt…
Mottek

Schreibe einen Kommentar