Das Ende naht…

10.05.2007; Ruhetag

Für heute hatten wir beschlossen einen Ruhetag einzulegen und es etwas abtrocknen zu lassen. Wolfgang wollte noch ein paar Dinge am Computer erklärt haben und an seinem Bordrechner waren noch ein paar Feinschliff-Arbeiten zu erledigen. Also machten wir einen faulen Tag und ließen es uns Abends im Muskátli Fogadó gut gehen. Schließlich ist die Gegend bekannt für ihren guten Wein.

11.05.2007; Bugac-Puszta

Am nächsten Morgen ging es dann wieder auf die Piste. Wir mußten uns sputen, da wegen der Kanalbauarbeiten, das Wasser abgestellt werden sollte.
Als erstes testeten wir eine Off-Road-Abkürzung zu der neuen Donaubrücke und siehe da, sie war auch da, wo sie laut Karte sein sollte, obwohl uns Einheimische gesagt hatten, daß es in diese Richtung keinen Weg gäbe. Das Vorstellung davon, was für uns noch genußvoll befahrbar ist und was nicht gehen hier doch manchmal auseinander. Wobei ich zugeben muß, daß wir in den Regenfällen vor zwei Tagen schlechte Karten gehabt hätten.
Südöstlich, direkt hinter Nemesnádudvar liegt die Steilkante des ehemaligen Donauufers, in dem die Unmengen von Weinkellern hinein gebaut wurden und dahinter schließt sich eine weite Landschaft mit grasbewachsenen Sanddünen und lichten Wäldern an. Diese galt es heute zu erkunden.

U07_PICT0485_800.jpg
Grasbewachsene Dünen

U07_PICT0483_800.jpg
Weite Wege

Also hinein ins Vergnügen, kilometerlangen, mehr oder weniger gerade aus verlaufenden Wegen folgend, ging es im Zick-Zack gen Osten. Die Wege in dieser Gegend sind meist in 60° Nordost- oder 150° Südost-Richtung gebaut, so daß wir einige Male einen Haken schlagen mußten um unsere Zielrichtung bei zu behalten.
Bei einer Pause bemerkten wir dann auch die moderne Kunst, welche man mit dem Hochdruckreiniger auf eine Motorhaube zaubern kann. 🙂

U07_PICT0492_800.jpg
Geradeaus

U07_PICT0493_800.jpg
Moderne Kunst

Unser Kurs schwenkte so langsam nach Nordosten und dann direkt nach Norden, denn wir wollten ja nicht irgendwann in Rumänien heraus kommen. Über Kiskunmajsa, wo Wolfgang vergeblich nach einem Frisör für seine Lockenpracht Ausschau hielt, ging es die letzten Kilometer auf einer Sandpiste am Rande des Biosphärenreservats Bugac-Puszta neben einer Bahnlinie entlang. Die Strecke ist nicht ganz ungefährlich, das Sand ist teilweise recht tief und vor Jahren durften wir hier schon mal einen Deutschen mit seinem festgefahren PKW bergen. 😈
Wolfgang freute sich, das erste Mal bei seinen vielen Besuchen hier, jetzt auch mal einen Zug auf der Strecke zu sehen…

U07_PICT0500_800.jpg
So sieht es aus, wenn eine Schafherde die Wege frisch präpariert hat

U07_PICT0502_800.jpg
Achtung, die Gleise werden noch genutzt

Ansich wollten wir in der Karikás Csárda am Eingang zum Nationalpark nur einen Kaffee trinken und einen Nachtisch essen, aber es gefiel uns hier sehr gut und wir waren ja auch schon genug gefahren, so daß wir nach Zimmern fragten. Siehe da, es war noch zwei Ferienwohnung in einer kleinen Hütte frei und nach kurzer Besichtigung entschieden wir heute hier zu bleiben. Direkt am Rande der Puszta, in einer herrlichen Ruhe und Stille…
Wolfgang fuhr noch mal kurz ins Städtchen und ich beackerte meinen Laptop – Mist, schon wieder kein WLAN, na ja, es währe auch verwunderlich gewesen…

U07_PICT0506_800.jpg
Wilde Fahrt

U07_PICT0513_800.jpg
Unsere bescheidene Hütte

Das Abendessen nahmen wir dann in der Czárda ein, umschwirrt von einem Dutzend Schwalben, welche im Dachgebälk ihre Nester gebaut hatten und ständig laut schimpfend uns um die Köpfe kreisten. Zum krönenden Abschluß des Abend setzten wir uns noch mit einer Flasche guten Rotwein bei Kerzenschein auf unsere Terrasse, hörten den Fröschen und Grillen zu und redeten noch ein wenig über Gott und die Welt…

U07_PICT0517_800.jpg
Ausblick

U07_IMAGE_028_800.jpg
Genießer

Frösche und Grillen…

12.05.2007; Back to the roots

Ächz, Anfang Mai kühlt es auch in Ungarn noch erheblich ab und die 1,60 m langen Bettdecken sind auch für die Einheimischen viel zu kurz, na ja, vielleicht für Italiener… 😉 Ich habe dann einfach die vom Nachbarbett mit genutzt – bevor ich friere…
Zum Frühstück hatten wir einen Käse-, Wurst- und Schinkenteller und Marmelade bestellt. Für knapp 8,- Euro bekamen wir ein halbes Schwein aufgefahren, daß ich ihn fast nicht geschafft hätte… 🙂
Von Bugacpuszta sollte es wieder nach Norden zur Sarlospuszta gehen, wo wir schon vor ein paar Tagen genächtigt hatten. Wolfgang wollte sich am Sonntag dort mit einer Reisegruppe von Ventura-Tours treffen und ich würde dann von dort aus die Heimreise antreten.
Nach dem wir uns mal kurz in die Äcker südlich von Kecskemét verirrt hatten (bäh wie langweilig), ging es wieder zurück in die Puszta – weite, ebene Grassteppen, unterbrochen nur von ein paar lichten Wäldern – einfach phantastisch.

U07_PICT0520_800.jpg
In den Feldern

U07_PICT0521_800.jpg
Schafherde voraus

In den Wälder findet man bewirtschaftete Höfe genauso wie die Ruinen längst verfallener Ansiedlungen – schaurig schön.

U07_PICT0525_800.jpg
Bewirtschafteter Pferdehof mit schönen Tieren

U07_PICT0522_800.jpg
Hier war auch schon mal mehr los

Und zwischendrin immer mal wieder einen unendlich langen Sandweg oder eine Graspiste über eine Weide.
Leider fing es an zu nieseln, aber der Sandboden schluckt erstmal so einiges an Feuchtigkeit, bevor es schwierig wird. Die
gelegentlichen Passagen auf Graswegen waren da schon ein bisschen kniffliger. Wir beschlossen, daß wir für heute Off-Road gefahren seien…

U07_PICT0527_800.jpg
Der Weg nimmt kein Ende

U07_PICT0532_800.jpg
Die Anderen fahren hier auch durch

Gerne wäre ich noch zu den Sanddünen von Fülöphaza gefahren oder auch sogar gewandert, aber irgendwie fanden wir den richtigen Einstieg nicht. Na egal, für das nächste Jahr wollen wir ja auch noch Aufgaben haben. Über Asphalt fuhren wir nach Lajosmizse um die Autos zu tanken und ein paar Vorräte und Souvenirs einzukaufen. Wolfgang warf 2.000 Forint in den Hochdruckreiniger um sein Fahrwerk und die Bremsen wieder schlammfrei zu bekommen und ließ es sich auch nicht nehmen meinen Vitara zu beackern. Draußen bildeten sich schon Warteschlangen… 🙂
In einem kleinen Restaurant nebenan aßen wir zu Abend um dann zur Übernachtung auf die Sarlospuszta zurück zu kehren. Daß das keine schlechte Idee gewesen war sahen wir dann an dem chaotischen Hochbetrieb der auf der Puszta herrschte.

U07_PICT0538_800.jpg
Ihhhh, was glänzen die Autos

U07_PICT0539_800.jpg
Ein Sandhügel voller Schwalben

Im Hotel durfte ich dann noch Dolmetscher spielen. Ein älteres amerikanisches Ehepaar war mit ihrem erwachsenen Sohn angereist und das Mädel an der Rezeption konnte zwar sehr gut Deutsch, aber kein Englisch und ihre Kollegin war nicht zu erreichen – so durfte ich zwischen ihr und den Amis vermitteln.
Interessant was es so alles gibt: Der Vater des Ehefrau kam aus einem Nachbarort und war 1910 als Fünfjähriger in die Staaten ausgewandert und nun waren sie überhaupt das erstemal in Ungarn um nach noch lebenden Verwandten zu suchen. Von ihrer Mutter hatten sie woanders noch ein paar Cousinen gefunden, aber von der väterlichen Verwandtschaft – keine Spur. Aber sie waren ja auch heute erst hier eingetroffen und wollten sich die nächsten Tage noch mal auf die Suche machen. Auf die Frage nach anderen Beschäftigungsmöglichkeiten, außer der Spuren suche, verwies ich sie auf das touristische Programm der Umgebung: wandern, reiten, Kutschen oder Quad fahren und den Besuch einer Pferdeshow mit ungarischen Cowboys – was sie sehr erstaunte, dachten sie doch bis dahin daß es nur im Amerika Rinderhirten zu Pferde gäbe… 🙂
Mit Wolfgang leere ich noch ein oder zwei Fläschchen Wein und die Betreuer der Motorrad-Ritter erzählten uns etwas über die Ausfallquote ihrer Schützlinge. Tja, zweirädrig Sandfahren geht ganz schön auf die Kondition und Ruck-Zuck liegt man im selbigen und hat sich den einen oder anderen Knochen gebrochen… Ich bleibe da lieber bei meinem Vitara…

13.05.2007; Heimfahrt

Heute ging es ans Abschied nehmen. Meine neuen amerikanischen Freunde waren auch sehr traurig, als ich ihnen eröffnete, daß ich mich auf den Nachhauseweg machen mußte. Keine Ahnung ob sie noch einen Kulturschock bekommen haben, als sie erfahren durften, daß auch noch andere Nationen mit Pferden umgehen können. 🙂
Wolfgang konnte ich getrost zurücklassen, spätesten am Nachmittag würden die ersten Teilnehmer und Helfer der nächstwöchigen Tour eintreffen. Also “Tschüss” gesagt und ab auf die Piste gen Heimat, noch schnell so eine blöde Autobahn-Vignette gekauft und ab auf die Autobahn – satte 1.000 Kilometer ödes Asphaltband lagen jetzt noch vor mir.
Um 10:15 Uhr bin ich losgefahren und war 11,5 Stunden später um 21:45 Uhr endlich zu Hause – boah, ich war geschafft!

Fazit

Nächstes Jahr wieder ❗

Hier noch eine Karte, damit man sich vorstellen kann, wo wir da herum gekurvt sind.
Je heller der Track, desto schneller waren wir unterwegs

U07_Uebersicht_800.jpg
Ungarn 2007 (<-- hier klicken für Google Earth .KML-Datei)

Ende Gelände…

]V[ottek