…so, nun zum letzten Teil meines Reiseberichtes, ich hoffe ich habe bis hierhin keinen gelangweilt!
01.01.2007; Neujahr
Ausschlafen war dann doch nicht so. So ein Zelt ist eben kein ruhiges Hotelzimmer und eine Luftmatratze eben kein breites Bett. Zudem taten einem noch die Knochen weh vom Abend zuvor, als wir stundenlang im Schneidersitz vor den niedrigen Tischchen in den Beduinenzelten gehockt haben.
Egal, neuer Tag – neues Glück!
Das Frühstück viel heute aus, dafür gab es am späten Vormittag einen leckeren Brunch; sogar geräucherter Lachs wurde aufgefahren.

Noch ein bisschen müde vom Vortag
Nachdem wir uns alle gestärkt hatten und zum Abmarsch bereit standen, wurde ein Track bzw. eine Route ausgeteilt und wir in drei Gruppen aufgeteilt. Die beiden ersten Gruppen sollten sich anhand der Koordinatenpunkte selbständig ihren Weg durch das vor uns liegende Gewirr aus kleinen Chotts und Sanddünen suchen. Die dritte Gruppe um den Tour-Guide behauptete das alles schon zu kennen und eine Abkürzung fahren zu wollen um das Camp herzurichten bis der Rest dann endlich eintrudelt.
Die Warnung noch in den Ohren, möglichst nur dort zu fahren wo erkennbare Reifenspuren die Befahrbarkeit vermuten lassen (was allerdings mehr für die Chott-Durchfahrten gedacht war, wie es sich später herausstellte…), fuhr ich vorne weg und der Troß folgte mir. Die Gruppe war der Ansicht, daß ich mit meinem leichten Suzuki vorneweg fahren sollte, da das Autochen leichter zu bergen sei als ein “richtiger Geländewagen”[TM]. Selbstredend, daß ich ihnen diesen Spaß nicht gegönnt habe!
Mit den Reifenspuren ist das auch so eine Sache; auch Eselskarren hinterlassen solche.
Es ist schon erstaunlich, wo die Tunesier mit den Dingern überall herumfahren und welche Dünen sie damit überwinden. Ein mancher Geländewagen hatte da seine Probleme.
Irgendwie führten uns die gefunden Spuren aber nicht zu den eigentlich geplanten Wegpunkten, so daß wir beschlossen es reiche zur Aufgabenerfüllung sie von Ferne gesehen zu haben. 
So zogen wir weiter Richtung Südwesten, bis wir bemerkten, daß Gruppe Drei hinter uns fuhr… Wir blockierten deren “Abkürzung”.
So kam es wie es kommen musste, unsere Gruppe erreichte als erste das Ziel des heutigen Tage, den Bir Feggoussi, einen alten, aufgelassenen Palmenhain, in der Mitte des Sandmeeres.

Strategische Beratung – wie geht es weiter?

Erster 
Die Proteste der zweiten Gruppe, wir hätten die Wegpunkte gar nicht angefahren, übergingen wir geflissentlich. Wie sangen schon Queen: “No time for loosers; we are the champions…” 
Die übliche Routinearbeiten zum Abend, Camp und Küche aufbauen, Zelte aufstellen und Lagerfeuer entfachen waren schnell erledigt. Endlich konnten sich die, die ganze Zeit unnötig mitgeschleppten , Sandbleche nützlich machen; zum Abdecken von zwei offenen Brunnenlöchern.

Für was hat man den Sandbleche?

Unvergesslicher Sonnenuntergang hinter Palmen
Der Abend endete wie üblich am wärmenden Feuerchen und die einzige Sorge galt den sich rapide verringernden Alkoholvorräten. 
02.01.2007; Sandrosen
So langsam geht unsere Reise zu Ende und man macht sich Gedanken um diverse Mitbringsel. Heute war die Fahrt zu einem Sandrosen-Feld geplant um sich mit den bizarren Schönheiten der Wüste einzudecken. Über kleine Buckeldünen und brettflache Chotts ging es zu einer großen Ebene, über und über bedeckt mit kleinen Haufen von Sandrosen in allen Größen und Formen. Durch geschicktes Timing
ist meine Kiste mit den Biervorräten jetzt leer und so wandern die Gipsausblühungen, eine schönere als die andere, gepolstert durch einige Schaufeln Sand, in diese hinein. Die Jungs, die mir helfen die Kiste wieder zu verladen, heben sich fast einen Bruch daran.

In voller Fahrt über den Chott

Unser Führer Amor mit seiner Ausbeute an Sandrosen
Nachdem sich alle ihre Sandrosen gesammelt und sich am Mittagstisch gestärkt haben geht die Fahrt weiter nach Südwesten, zu unserem letzten Nachtlager außerhalb der Zivilisation, zum Brunnen Bir Mehdeth. In Gegensatz zu den zuvor besuchten Brunnen gibt es hier noch Wasser und rund um den Brunnen hat sich eine kleine Vegetationszone gebildet. Die Frage ist nur wie lange noch, denn früher hätte hier mal ein richtiger Palmengarten existiert, von dem jetzt nur Reste übrig wären, berichtet unser Tour-Guide Gunther Schneider.

Nachtlager am Brunnen Bir Mehdeth

Die Wüste abschiedet sich mit einem letzten grandiosen Sonnenuntergang
Die Sonne verabschiedet sich nochmals mit einem grandiosen Lichtspiel und der Vollmond steht hoch am Firmament und erleuchtet die Nacht taghell. Nach dem Abendessen trifft man sich im großen Kreis um das Lagerfeuer, erzählt noch ein paar Geschichten und Geschichtchen, die nun wirklich allerletzten Alkoholika werden selbst geleert oder brüderlich verteilt (Wie immer bei so großen Gruppen gibt es natürlich auch unrühmliche Ausnahmen…) und man verabschiedet sich so langsam von der Wüste. Morgen geht es zurück in die Zivilisation.

Der letzte Abend am Lagerfeuer

Mondhelle Nacht
03.01.2007; Unfall
Ein letztes Mal das Camp abbauen, Schlafsack und Luftmatratze verstauen, das Zelt abbauen und dann alles wieder ins Auto räumen, verstauen und fest zurren. So langsam hat man sich daran gewöhnt. Es geht zurück nach Douz, wo eine warme Dusche, ein reichhaltiges Abendessen-Büffee, ein paar kühle Bierchen und anschließend ein richtiges Bett auf uns warten. Die Wüste macht einem Bescheiden.
Ein letztes Mal geht es über versandete Pisten und topfebene Chotts. Den Spaß muß man auskosten solange es noch geht…

Auf dem Rückweg fahren wir gegen die windabgewande, steilabfallende Seite der Dünen

Wie auf einer Autobahn
Daß die Chotts tückisch sind hatten wir schon am Vortag “erfahren”. Der Boden sieht zwar fest und tragfähig aus, ist aber im Gegenteil recht weich und die Autos versinken darin etliche Zentimeter, wenn man die festgefahrenen Spuren verläßt. Der Boden ist richtiggehend Kräfte zehrend und selbst mit Vollgas kam ich kaum über die 60 km/h hinaus. Trotzdem schwärmen wir in breiter Front aus und jeder sucht sich seinen Weg, das grenzenlose Gefühl der Freiheit genießend.
Dann passierte, was so eigentlich nicht passieren sollte. Ein Mitfahrer übersieht bei voller Fahrt das 50 cm hohe Dünchen am Ende des Chotts, das Auto wird in die Höhe katapultiert und schlägt nach drei Metern freiem Flug mit der Schnauze voran wieder in die Düne. Wie bei einem Granateinschlag spritzt der Sand in alle Richtungen davon. Das Auto macht einen halben Kopfstand und fällt dann wieder auf alle vier Räder zurück. Gottseidank ist der Fahrer angeschnallt und ihm passiert nichts. Das Glück hat die Vorderachse leider nicht; die massive ARB-Windenstoßstange hat zwar einiges abgefangen, aber das rechte Vorderrad hat etwas abbekommen und der Wagen steht irgendwie X-beinig da.

Vorderachse gebrochen

Einsam steht ein Auto im Chott
Krisenmanagement ist angesagt. Nach dem klar war, daß keine Personenschäden zu verzeichnen sind wird das aus der Vorderachse auslaufende Öl aufgefangen und der Schaden begutachtet. Schnell ist klar: Das Auto fährt so keinen Meter mehr!
Gut daß das Mobiltelefonnetz in Tunesien recht gut ausgebaut ist und wir nicht mehr weit vom nächsten Ort entfernt sind. Der Abschleppdienst in Douz wird benachrichtigt und zur Unfallstelle beordert. Derweil zieht sich der Rest der Mannschaft, erst einmal zur Mittagsrast an eine nur wenige hundert Meter entfernten Quelle zurück. Die Stimmung ist nun nicht mehr ganz so fröhlich und das Warten beginnt.
Der Abschlepper kommt und kommt nicht bei und irgendwann reist der Geduldsfaden. Daran, daß in Tunesien nicht alles so schnell geht, sollte man sich gewöhnen, aber hier läuft irgend etwas schief. Also wechselt man auf eine 3-Gruppen-Strategie: ein Fahrzeug bleibt beim Verunfallten, zwei weitere fahren mit dem einheimischen Führer zur nächsten Hauptstraße und schauen wo der Abschlepper bleibt und der Rest der Gruppe fährt mit Gunther Schneider eine andere Strecke, ebenfalls Richtung Hauptstraße und dann weiter nach Douz ins Hotel. Die geplant Ausfahrt an den großen Salzsee Chott el Jerid muß aus verständlichen Gründen entfallen. Wir streifen auf der Rückfahrt nur ein paar Ausläufer.
Spätnachmittags sind wir dann wieder in unserem Hotel Saharien Paradies in Douz. Schnell noch die Autos getankt und dann ab unter die warme Dusche. Herrlich. Leider ist das zum Hotel gehörende Thermalwasser-Schwimmbad nur mit kaltem Wasser gefüllt, sprich es läßt keiner warmes Wasser nachlaufen. Ärgerlich, da ich mich schon auf ein paar Runden im Pool gefreut hatte.

Ausläufer des Chott et Jerid
Kurz vor dem Abendessen trafen dann auch der Havarist und sein Bergetrupp im Hotel ein.
Über die Bergeaktion, bei der ich leider nicht dabei war, werden wohl noch in Jahren an den Lagerfeuern berichtet werden: Statt eines kräftigen Unimog schickte der Abschleppdienst einen altersschwachen Landy mit selbstgebastelten Kranaufbau. Beim Anheben des Unfallwagens bogen sich schon die Blattfedern und der Kran, so daß jeder dacht “Gleich bricht die Kiste zusammen”. Beim Losfahren hoben sich die Vorderräder des Landy, wie beim Traktor-Pulling, in die Höhe und in der ersten Düne steckte er dann fest. Ein weiteres Fahrzeug mußte vor den Landy gespannt werden um diesen zu ziehen, gleichzeitig schob das Unfallauto, dessen Hinterachse ja noch in Ordnung war.

Legendäre Bergeaktion
In Douz wurde der Unfallwagen dann begutachtet und, da eine Reparatur dort technisch und zeitlich nicht möglich war, gleich auf einen Autotransporter verfrachtet und nach Tunis geschickt. Wenn man Tunesien mit dem Auto betritt wird dieses in den Reisepaß eingetragen und ohne kommt man nur mit großen Schwierigkeiten wieder raus. Jedenfalls saßen Gunther Scheider, der Unfallfahrer, unser Führer und der Chef vom Abschleppunternehmen noch bis tief in die Nacht um den ganzen Papierkrieg zu bewältigen.
Der Rest feierte derweil seine letzte Nacht in Douz.
04.01.2007; Douz – Tunis
Alles geht einmal zu Ende und so auch unser Aufenthalt in der Wüste. Frühmorgens, gleich nach dem Frühstück, verließen wir Douz und machten uns wieder auf den Weg nach Tunis. Diesmal fuhren wir über Kebili, dem Chott el Fejaj (dem nordöstlichen Ausläufer des Chott el Jerid), an den Resten des römischen Limes in Afrika vorbei und über Gafsa in Richtung Kairouan um gleich dahinter über die Autobahn nach Tunis zu gelangen. Ich kann nicht sagen was schlimmer ist, gegen die tiefstehende Sonne nach Douz zu fahren oder in den Feierabendsverkehr von Tunis hinein zu geraten. Wenn einem dann noch ein paar trottelige Österreicher mit ihrem Expeditions-Mobil fast von der Straße kicken, wird es auch nicht lustiger…

So weit man sieht: nur Salzsee

Am Limes, wie zu Hause 
In Tunis waren wir auch wieder im gleichen Hotel am Hafen. Nach dem Abendessen ging es dann in die hauseigene Disco, es galt die letzte Nacht in Afrika zu feiern.
05.01.2007; Tunis – Genua
Machen wir es kurz; der Urlaub neigt sich langsam seinen Ende zu. In La Goulette, dem Hafen von Tunis, tanke ich noch mal alle Kanister und Tanks voll. Bei einem Sprittpreis von umgerechnet 0,67 €uro wünscht man sich einen größeren Tank. Wir fahren recht zeitig zur Fähre und werden fast durchgewunken, in Nullkommanichts sind alle Formalitäten erledigt und ich stehe schon vor der Laderampe. Und was ist mit meinen Mitbringsel? Also erst noch das Auto an die Seite geparkt und hinein in den Souvenierladen, die letzten Dinar auf den Kopf zu hauen. Die Zöllner schauten zwar skeptisch, aber der Verkäufer war nachher mein Freund. 
Auf der Fähre durfte ich mal wieder oben stehen; Glück gehabt dachte ich…
Die Fähre legte dann auch relativ pünktlich ab, nur eine Stunde Verspätung und die Auslastung lag im Rahmen des üblichen
Das Mittelmeer zeigte sich von seiner rauhen Seite und beim Abendessen fehlten dann schon einige.
06.01.2007; Genua
Am nächsten Morgen ist es dann ruhiger, wenn das Schiff unter Land an Sardinien und Korsika vorbei fährt.
Genua erreichen wir fast pünktlich und das Geschiebe und Gedränge zu den Autodecks beginnt. Da wir alle relativ weit vorne stehen hoffen wir auch gleich raus zu können, Daß das Mitteldeck erst leer gefahren wird ist ja noch zu verstehen, daß dann aber erst das Nachbardeck ausgeladen und dies dann hoch und runter gefahren wird um ein paar LKWs raus zu lassen… Ob da auch jemand Kugelschreiber dabei hatte?
OK, zwei Stunden später war ich dann endlich auf der Autobahn Richtung Norden. Die italienische Grenzformalitäten beschränken sich zwar nur auf einen Zettel, dafür ist das dortige Chaos bei der Ausfahrt um Längen schlimmer als in Tunesien.
Um 21:00 Uhr war ich dann bei Freunden in Ulm. Ansich wollten wir in die Pizzeria, aber die Mitfahrer kamen einfach nicht bei: den einen erwischte ein kapitaler Motorschaden gleich hinter Bregenz, die anderen hatten noch mit einem Plattfuß und mit Batterieprobleme zu kämpfen.
Karte
Damit man eine Vorstellung bekommt, wo wir in Tunesien herum gekurvt sind:
– Oben in der Mitte ist die Oase Douz am Chott el Jerid
– Unten in der Mitte findet sich das Becken des Tembain
– Unten – Links findet sich die Oase Ksar Ghilane
– Unten – Rechts ist dann der Brunnen Bir Mehdeth
Das Satellitenbild erstreckt sich ca. 120 km Ost – West und ca. 100 km Nord – Süd

Fahrstrecke Tunesien 2006
Fazit
Zu Hause hatte ich dann 19790 km auf dem Tacho, In zwei Wochen bin ich knapp 3370 km gefahren. Den Verbrauch habe ich nicht aufgeschrieben, aber wenn man den Wagen auf der Autobahn gleichmäßig laufen läßt hält er sich in Grenzen. Einen Liter Öl habe ich auch nachgefüllt, was bei einem Motor mit fast 220.000 km auch nicht schlimm ist.
Bis auf das Problem mit der Fahrertür, die nun beim öffnen durchhängt, verlief die Fahrt ohne technische Pannen und auch das Durchhängen der Tür ist kein spezifisches Problem dieser Wüstentour, sonder eher ein Problem des Alters…
Ventura-Tours und Gunther Schneider als Reiseveranstalter kann ich nur empfehlen. Neben Voll-Verpflegung, kompetenter Touren-Führung und individuell auf die Teilnehmer abgestimmter Touren stimmt auch im Fall des Falles das Krisenmanagement.
Ich hoffe euch haben meine Ausführungen gefallen und vielleicht trifft man sich ja einmal am Pool von Ksar Ghilane zu einen Kaffee. 
Mottek