...der Name ist Programm...

Schlagwort: der Weiße

VFF Alpentour 2010.4

…der vorerst letzte Teil…

Irgendwie war bei allen die Luft draußen und die ganze Mannschaft schwächelte. Fünf Tage Offroad-Tour, fünf mal auf dem Boden oder im Dachzelt campen, fünf mal das Zelt auf- und wieder abbauen, fünf mal Hunger schieben, bis der doofe Grill endlich soweit ist…
…die Tage hatten ihre Spuren hinterlassen.
Also sollte heute ein gemütlicher Tag folgen und am Abend wollten wir uns dann ein nettes Hotel als Unterkunft suchen. Michael und Vanessa, Yves und Jasmin bekundeten zudem, daß sie ansich mittlerweile genug Berge gesehen und Schotter gefahren hätten und sie sich dann am nächsten Morgen auf den Heimweg machen wollten. Zudem sei das Budget ziemlich aufgebraucht und unterwegs wolle man nicht um Benzin betteln…
OK, dann schauen wir mal, ob wir noch was hübsches finden können und zum Nachmittag hin wurde dann wieder das Hotel Malamot auf dem Col de Mont Cenis angepeilt.

Erstmal durfen sich Micheal und Yves beim Abspülen so richtig nützlich machen. Zuvor hatten wir noch die Nudelreste vom Vorabend in die Pfanne geworfen… Lecker…
…da nächste Mal gibt es nur noch Pasta… 😉


Spüldienst…

Mit nur noch vier Vitaras ging es wieder hinunter ins Tal und nach kurzer Irrfahrt fanden wir den Einstieg in das Valle Argentera (keine Kz. ;-)). Eine Schotterpiste zog sich immer am Laufe eines Flüsschens tief in ein liebliches Tal hinein. Die Wiesen und Auwälder scheinen bei den Einheimischen als Campplätze sehr beliebt zu sein, aber ohne daß sich aber das Gedränge und Chaos wie auf einem Campingplatz abzeichnete. Na gut, Duschen gab es hier sicherlich auch nicht…


Ein liebliches Tal…


Gut, daß keiner einen Anhänger dabei hatte…

Zum Ende hin wurde es immer enger und schroffer, der Weg wurde steiler und links und recht stürzten sich Wasserfälle in die Tiefe. Über einige Serpentinengruppen ging es auf einsame Alm auf 2400m Höhe. Dort durften wir einem modernen Cowboy (=Kuhhirte) bei der Arbeit zusehen, auch wenn es einigen dabei bange um ihren Vitara wurde…


Hier läuft noch viel Wasser den Berg hinunter…


Moderne Cowboys…


Die Kuh wird doch wohl nicht…


Schöner Ausblick…

Leider war der Weg eine Sackgasse (oder Gott-sei-Dank, denn eine Weiterfahrt nach Süden war nicht eingeplant…) und so ging es auf ihm wieder zurück. Ich finde solche Situationen gar nicht so schlimm, da man manchmal bei der Rückfahrt viel schönere Ausblicke hat, als bei der Hinfahrt und die einem im ersten Augenblick gar nicht so aufgefallen sind.


Nein, kein Bildschimhintergrund von M$…


Grüne Täler…

Nach dem Strapazen mit dem Aufstieg auf die Alm genehmigten wir uns erstmal ein kleines Fußbad…
Eine Furt im Bach bot sich dazu geradezu an… 😉


Michael…


Yves…


und ich…

Anschließen ging es noch auf einen Kaffee auf eine bewirtschaftete Almhütte am Berg.
Bevor die Einheimischen anfangen für ihre tollen Wege eine Maut zu erheben, gehe ich lieber regelmäßig vor Ort einen Kaffee trinken und lasse so meinen Obulus da und bekomme noch dazu ein schwarzes Heißgetränk… :hinweis:
So ist allen gedient und keiner muß sich ausgenommen fühlen.


Die letzen Meter Schotter…


Kaffeepause…


Ein letzter Blick zurück…

Die Abfahrt von der Alm hatte es auch noch mal in sich, aber nachdem auch diese gemeistert war ging es durch liebliche Valle Argentera zurück auf Asphalt.


Einmal noch den Berg hinunter…


…und dann nichts wie weg…

Über Landstraßen führte der Weg nach Cesana, Oulx, Exilles und Susa um von dort aus wieder dem Col de Mont Cenisi zu erklimmen. Ein Besichtigung der Festung von Exilles, ein riesiger Steinquader mit bewegter Geschichte mitten im Susa-Tal mußte leider entfallen – die Mädels waren nicht mehr wach zu bekommen…


Wer schläft der sündigt nicht…


…wer vorher sündigt, schläft nachher besser… 😈

Leider war unser anvisiertes Hotel aber schon ausgebucht – Straßenbauarbeiten an der Passtraße und die Bauarbeiter hatten sich ausgerechnet unsere Bleibe ausgesucht. So ging es flotten Schrittes hinunter auf die französische Seite nach Lanslebourg-Mont-Cenis, wo die Eltern der Hotelbetreiber auch noch ein Haus haben.
Endlich wieder ein richtiges Bad, eine eigene Dusche und ein Klo zum sitzen – man wird nach so einer Tour etwas anspruchsloser…
…ein richtiges Bett und vor allen Dingen – WLAN… 😉

Nachdem die ersten Urlaubsgruß-e-Mails versendet waren, der Dreck von der Pelle geschrubbt war ging es dann ins Ort zum Abendessen. Es tat richtig gut mal nicht stundenlang auf den Grill warten zu müssen und auch der Abwasch interessierte einem nicht mehr. Ein richtiges Luxusleben…

Am nächsten Morgen ging es dann ans Abschiednehmen Michael und Vanessa, Yves und Jasmin zog es wieder in die Heimat. Ich empfahl ihnen zwar noch eine schöne Route über die Alpenpässe, aber ich glaube sie hatten genug von den Bergen und zogen die öde Autobahn durch die Täler vor.

Na gut, ich bekomme ja keinen Urlaub mehr, aber nichts desto trotz hatte ich noch ein paar Tage Zeit, bevor ich wieder zu Hause antreten mußte. So habe ich mich also dort unten noch ein wenig umgeschaut, was für schöne Strecken es noch dort zu fahren gibt…
…mal schauen – übernächstes Jahr…


…wie gemalt…


kalenderbildwürdig…

Don’t panic…
Die letzten solo Tage liefere ich euch auch noch nach, aber erstmal brauche ich eine schöpferische Pause. Ich bitte um Verständnis…

]V[ottek

Tunesien 2006.1

So Leute, ich muß doch jetzt endlich mal meinen Reisebericht von unserer Sylvester-Tour zum Besten geben, bevor ich wieder alles vergessen habe und noch wichtiger, bevor ich schon wieder die nächsten Touren drehen werde. ;-)

22.12.2006; Anfahrt

Oh Gott, viel zu früh! Das ist mir noch nie passiert!
Um die Mittagszeit ist das ganze Gerümpel im Auto verstaut und in 24 Stunden soll die Fähre in Genua ablegen. Die hat zwar bisher immer stundenlange Verspätungen gehabt, aber wenn ich mal unpünktlich sein sollte, fährt sie garantiert auf die Minute genau ab.
Also tschüss gesagt und auf die Piste gen Süden. Der Tacho zeigt 16421 km, wobei er dezent die doppelte Umrundung verschweigt, die er schon hinter sich hat. Wenn technische Probleme auftreten sollten, ich in einen Stau komme oder müde werde, hätte ich also ein gutes Zeitpolster. Es kam, wie es kommen mußte: keine Probleme, kein Stau und keine Müdigkeit. Der Vitara läuft wie am Schnürchen und nur kurz vor den St. Gotthard-Tunnel geht es etwas schwerfälliger, so daß ich gegen Mitternacht, unter Mißachtung sämtlicher Fahrbahnmarkierungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen in Genua einschwebte. Die Autobahn war menschenleer und ich folgte einfach nur einem Laster vor mir, dessen Fahrer die Strecke genau so gut zu kennen schien wie Michael Schuhmacher die Straßen von Monte Carlo. :-)
Nur was macht man um Mitternacht am Hafen von Genua? Die Stadt ist bis zum letzten Winkel hell erleuchtet und am erste Parkplatz, den ich anfuhr standen lauter frierende junge Damen in, der Jahreszeit nicht angepassten, kurzen Röcken und Blusen…
Naja, für solche Spielchen ist der Vitara wahrlich zu kurz. :twisted:
Also noch schnell eine kleine Rundfahrt angehängt und einen ruhigen und dunklen Ort in den Bergen hinter Genua gesucht. Eine Schöne Gegend, die könnte man auch einfach mal so besuchen.

23.12.2006; Genua

Irgendwann morgens ging es mir ähnlich wie den Damen am Vortag, weil ich zu faul war den Schlafsack heraus zu kramen fror ich jämmerlich, es ist eben Ende Dezember. Also den Vitara wieder angeworfen und durch Täler und Schluchten zurück nach Genua. Gelobt sei mein TomTom-Navigationsprogramm, ich hätte sonst nie wieder zurück gefunden. Am Hafen erstmal einen Supermarkt gestürmt und meine Biervorräte aufgefüllt. Allerdings kostet das Zeugs in Italien so viel, da kann ich das nächste Mal den Stoff gleich in Deutschland kaufen und auf das Dosenpfand pfeifen. (PS. noch besser ist es das Bier als 5-Liter-Partyfässer zu kaufen – nix Pfand und am abendlichen Lagerfeuer findet man viele Freunde, die gerne einen mittrinken würden…)
Nächste Amtshandlung: Frühstück. Oh, ein Nordamerikanisches Spezialitätenrestaurant mit den goldenen Bögen: McFrühstück gibt es doch garantiert auch auf italienisch… Pfeifendeckel – „Scussi, wir öffnen erst ab 11:00 Uhr…“ Bin ich heute nur vom Pech verfolgt? Wo ist der blöde Clown, damit ich mich beschweren kann? Okay, dann wenigsten in der angrenzenden Espresso-Bar noch einen kleinen Muntermacher geschlürft und dann ab zum Hafen.
Ich fahre jetzt nun schon das vierte Mal nach Tunesien und wirklich jedesmal ist die Zufahrt zur Fähre eine andere. Ich verfahre mich wieder auf dem Hafengelände und werde irgendwie dort heraus gespült. Also noch einmal retour in den Dschungel von Genua – Danke lieber TomTom, bei den drei Ebenen der Hochstraße hast du es wahrlich nicht leicht gehabt, aber trotzdem hast du mich sicher zum Ziel geführt…
Die Jungs an der Eingangskontrolle schauten dann vielleicht blöd: zwei weiße Vitaras, die nach Tunesien wollten… ;-)
Dank meiner aufgeschnallten Sandbleche war wenigsten meine Reiserichtung klar: Sahara! Beim zweiten Anlauf klappte es dann besser und all die freundlichen Einweiser schickten mich fleißig immer weiter in Richtung „Kartaaaasch“. Auf einmal stand ich auf dem Abfertigungshof in der Warteschlange und durfte dem verdutzen Kontrolleur erklären (Ich kein italienisch – er nix anderes…), daß ich Mitglied einer Reisegruppe bin und der Tour-Guide mit den Tickets. Bordkarten usw. noch nach kommt.
OK, also das Handy gezückt und mal abgeklärt was Sache ist. Natürlich wartet die Truppe an einem Treffpunkt im Hafen auf mich, der so nicht abgeklärt war, weil es letztes Jahr hier noch ganz anders aussah und den ich nicht mitbekommen habe, da ich ja der erste war…
Egal ich bin schon drinnen und der Rest kann nachkommen. Genau das geht irgendwo unter und erst nach einem weiteren Telefongespräch herrscht Klarheit: „Der Volker kommt nicht mehr, der Volker ist schon da…“. Also rückt der Rest der Truppe endlich nach, aber leider zu so einem ungünstigen Zeitpunkt, daß der eigentliche Wartebereich gefüllt ist und sie auf einen Reserveparkplatz verwiesen werden. Dort standen sie dann so unglücklich, daß sie erst Stunden nach mir, quasi als das Allerletzte auf die Fähre fahren konnten. Toller Einstand :!:
Über die Verspätung der Fähre brauche ich unter Eingeweihten wohl keine Aussage zu treffen: meine geschätzten 6 Stunden wurden mit 5h45 knapp unterboten.

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Alle warten auf die Fähre; die kleinen Autos müssen alle in den „Keller“

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Organisiertes Chaos…

24.12.2006; Genua – Tunis

Okay, wir waren jetzt alle wohlbehalten auf dem Schiff und der Urlaub konnte beginnen…
Zum Abendessen das erste beschnuppern der Gruppe. Mit einigen bin ich auch ohne Touren-Fahrerei befreundet, einige kannte ich von früheren Touren und einige sah ich das erste Mal. Schaun’mer’mal, was dabei herauskommt. Die lange Warterei zerrte bei einigen schon an den Nerven und die Angst vor der bevorstehenden Überfahrt (ich sage da nur: Seekrankheit!) tat sein übriges. Nach ein paar Bierchen an der Bar ging es recht früh zu Bett, nicht ohne zuvor noch schnell die tunesischen Einreiseformulare auszufüllen und abstempeln zu lassen. Wer glaubt, die Deutschen wären bürokratisch, war noch nie in Tunesien…
Am nächsten Morgen dann ein französisches Frühstück (Kaffee, Croissant, und Brötchen mit Marmelade – also nicht der Rede wert…), ein leckeres Mittagessen und dann am frühen Abend Anlandung in Tunis. Ich durfte mit meinem kleinen Vitara im Keller stehen und wurde zudem noch zu einem beschissenenn Platz dirigiert. Einige freundliche Worte mit dem Lademeister: „Tunesien hat bei der Fußball-WM hervorragend gespielt. Schade, daß sie nicht weiter gekommen sind…“ und ein paar silberglänzende Kugelschreiber können aber in so einer Situation Wunder wirken…
Alle Tunesier mußten stehen bleiben, damit ich aus meiner Ecke raus konnte… :-)
Ein Pärchen mit einem umgebauten SJ mit LJ-Karosserie nutze die Chance gleicht mit das Schiff zu verlassen.
Draußen aus der Fähre empfängt uns Tunesien dann mit REGEN! Hey, ich bin hier um Urlaub zu machen… Stoisch winken uns die Grenzer in unsere Bahnen, um dann das gewohnte Prozedere ablaufen zu lassen: Ausweiskontrolle und Zollkontrolle, für Touristen alles etwas beschleunigt. Die armen Tunesier müssen ihre vollbeladenen Fahrzeuge komplett aus- und abräumen und nachher wieder alles verschnüren… Horror!
Ruck-Zuck bin ich aus dem Hafengelände draußen und warte wieder einmal auf den Rest der Truppe. Nach und nach trudeln alle ein, bis auf ein Paar, das im Gedränge seine Papiere verloren hat. Die finden sich dann an der Rezeption des Schiffes, wo sie ein ehrlicher Finder, samt allen Bargeldes, abgegeben hat. Ich glaube bei uns wäre das nicht so glimpflich ausgegangen.
Unser erstes Hotel ist nur ein paar Minuten vom Hafen entfernt. Gunther Schneider von Ventura-Tours, der unsere Reisegruppe leitet, kennt die Verspätungsprobleme schon seit 15 Jahren und möchte nicht mehr erst noch lange nach seinem Hotel suchen. Also die Autos vor dem Hotel abgestellt – der hühnenhafte Türsteher wird heute Nacht ein Auge auf sie haben – kurz frisch gemacht und ab zum Abendessen. Sogar ein Weihnachtsbaum blinkt wie eine Lichtorgel im Saal – Ach, wie stimmungsvoll… ;-)

25.12.2006; Tunis – Douz

Unser erster Tag in Afrika! Der Regen hat aufgehört und die Sonne begrüßt uns auf ihrem Kontinent.

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Am Strand von Tunis

Frühstücken, packen, auschecken, tanken und ab geht es in Richtung Süden. Der Regen der letzten Tage hat Nordtunesien in eine Seenplatte verwandelt. Wir fahren über die Autobahn bis kurz vor Kairouan und dann weiter über Landstraßen nach Gabes, nur unterbrochen von einer Mittagsrast und einem Kaffee+Tankstop bei Skhira. Über Matmata und einem Stop an einer der typischen Höhlenwohnungen geht es nach Westen, der Sonnen entgegen, nach Douz – dem Tor zur Sahara.

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Tunesien, eine Seenlandschaft ?

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Dem Sonnenuntergang entgegen

Im letzten Sonnenschein erreichen wir Douz – ein Höllenritt über 550 km! Die Alternative wäre ein Camp im Outback, aber irgendwie sind wir noch verwöhnt und ziehen unsere Zimmer im Hotel Le Saharien Paradies mitten im Palmenhain von Douz, mit warmen Duschen und abendlichen Büffee, dem campen weit ab der Zivilisation vor. Da zudem immer noch Weihnachten ist, lassen wir uns die festliche Stimmung nicht verderben. Einer der Teilnehmer hat eine Schwarzwälder Fichte mit auf der Ladefläche, ein anderer Christbaumkugeln im Form von kleinen Pannacotta-Kuchen, ein dritter die notwendigen Kerzen, samt Haltern und ein weiterer jede Menge Schokoladenweihnachtsmännern, von denen wir die meisten an die tunesischen Kellner, für deren Kinderschar :-), weitergegeben haben. So erstrahlt also im fernen Douz ein herrlicher Weihnachtsbaum und verkündet die frohe Botschaft: Deutsche Touristen sind da… :twisted:

26.12.2006; Douz

Douz ist so schon im Normalzustand eine quirlige Stadt, aber um die Weihnachtszeit geht dort die Post ab. Das hat jetzt nicht mit unseren Wertvorstellungen von Weihnachtstrubel zu tun, sondern eher damit, daß Ende Dezember in Douz ein Sahara-Festival statt findet, an dem sich die Berberstämme Nordafrikas treffen. Man trifft sich auf dem großen Marktplatz um Geschichten zu erzählen, zu tanzen und zu musizieren, um ein Schwätzchen zu halten und um einen Tee zu trinken. In der großen Wettkampfarena finden Kamelrennen und Schauvorführungen statt.

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Tunesische Folkloregruppe auf dem Souk von Douz (zum Video, ca. 10MB)

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Geschichtenerzähler vor hunderten von Zuhörern (zum Video, ca. 7MB)

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Die Schönheiten warten auf ihren Auftritt

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Geschäftiges Treiben auf dem Marktplatz

Unser trachten galt aber mehr dem Auffüllen unser Treibstoff- und Wasservorräte, sowie den letzten Einkäufen vor der großen Wüstentour. Mein Turbantuch, hier Cheche genannt (gesprochen Tschesch), liegt natürlich wieder einmal zu Hause. Also gleich ein neues gekauft und auch noch gleich ein Tuareg-Kreuz um den bösen Blick zu bannen. Da ich die enge Kette nicht so ohne weiteres um den Hals bekomme, ordere ich eine Sonderanfertigung mit einer extra langen Glasperlenkette. Der arme Kerl saß dann mehrere Stunden daran, die fitzekleinen Perlchen wieder auf eine Schnur auf zu pfriemeln.

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Schmuckhändler bei der Arbeit

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Hier gibt es alles was man zum Leben braucht…

Nach einem Picknick in den Dünen hinter Douz versuchten wir uns erstmals im Sand. Die Gruppe ist mit 13 Fahrzeugen und 21 Personen recht groß. Zudem hat ein Großteil der Teilnehmer keinerlei Wüstenerfahrung und so gilt es erst einmal ein Gefühl für dieses Terrain zu bekommen. Der Luftdruck wird abgesenkt, damit die Reifen eine größere Aufstandsfläche bekommen, alles Lose im Auto wird festgezurrt, da es sonst nur einem um die Ohren fliegen würde und los ging es in die ersten Dünen. Schnell hat man heraus wieviel Schwung man braucht um die Düne zu erklimmen und wieviel Reserve noch nötig ist um auch auf der anderen Seite weiterfahren zu können. Auch konnten gleich die ersten Bergetechniken ausprobiert werden, weil es einfach nicht ausbleiben konnte, daß sich hier und da jemand festfährt.

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Hier waren die Dünen noch recht zierlich

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Sobald der Sand fliegt hat man verloren

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Aber es ist immer jemand in der Nähe, der einem mal kurz von der Düne ziehen kann

Dank des höheren Fahrwerkes und der größeren Reifen schlägt sich mein Vitaralein recht wacker. Nur einmal saß ich längs auf einem Dünenkamm, den ich zwecks besserer Fotoperspektive erklommen hatte und ließ mich sicherheitshalber rückwärts wieder runter ziehen. Eine Abfahrt erschien mir wegen der Schräglage etwas zu riskant.

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Ein Vitara im Sand

Nach der Spielerei wurden die Autos noch mal vollgetankt und es ging zum Abendessen zurück ins Hotel. Danach war auch unser einheimischer Führer Amor eingetroffen und es wurden die Pläne für die nächsten Tage in der Wüste besprochen.
In unserem Hotel feiert eine algerische Schulklasse ihren Klassenausflug und so geht der Abend mit tunesischen Gesängen, bei Bauchtanzmusik und Getrommel zu Ende. Einer unserer jüngeren Mitfahrer verliert sein Herz an eine der Schönheiten aus tausendundeiner Nacht und es fällt ihm am nächsten Morgen sichtlich schwer Adieu zu sagen. :bye:
Tja, wenn man eine Reise macht, da hat man etwas zu erzählen…

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Mittendrin statt nur dabei

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Die Musik geht ins Blut (zum Video, ca. 11MB)

Fortsetzung folgt…

Mottek

Tunesien 2006.2

…und weiter geht es mit meinem Reisebericht…

27.12.2006; Ab in die Wüste

So, vorerst das letzte mal in einem Bett geschlafen, das letzte mal geduscht, das letzte mal beim, na ihr wisst schon…, etwas in Ruhe gelesen…
Heute geht es in den Grand Erg Oriental, der großen östlichen Sandwüste.
Das Gepäck wird verstaut, die Lebensmittel auf die einzelnen Fahrzeuge verteilt, wobei ich hier eine der wenigen Vergünstigungen hatte, daß ein anderer Mitfahrer meine Kiste noch in seinen Land Cruiser verstaute; der Vitara war einfach voll! Wir reihen uns in die Kolonne ein, immer ein Auto ohne Winde zwischen zwei Fahrzeuge mit Winde. Die schwächeren Fahrzeuge und Fahrer nach vorne, damit sie noch gut fahrbare Bedingungen vorfinden, die „richtigen Geländewagen“[TM] nach hinten. Als dann auch endlich unser Führer eintraf, setzte sich die Karawane langsam in Bewegung. Das Abenteuer beginnt :!:

Wir verlassen Douz in südliche Richtung und kämpfen uns durch ein Dünengebiet mit lauter kleinen Dünchen: auf und nieder – immer wieder.
Mittagsrast machen wir dann an einem Café mitten in der Wildnis. Man kennt sich hier und so ist es auch kein Problem, daß wir Tische und Stühle okkupieren und die vom Tour-Leiter mitgebrachten Speisen verköstigen. Es gibt so exotische Sachen wie Streichleberwurst, Salami, Käse und Gewürzgurken. Gut daß ich in Douz ein paar Büchsen Harissa eingekauft hatte. Zum krönenden Abschluß gab es dann noch einen frischen Kaffee vom Wirt.
Weiter geht es Richtung Nationalpark Jebil, der leider mittlerweile fast vollständig von einem häßlichen Zaun umgeben ist. Also bleibt uns nichts anderes übrig den Park auf einer Holperpiste zu umrunden.
Dann nach Süden in Richtung Tembain, eines riesigen Tafelberges in Mitten der Wüste. Eine erste Dünenkette wird problemlos gemeistert und die ausgefahrenen Spuren sagen uns, daß hier wohl ein reger Verkehr herrscht.

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Gut ausgefahrene Strecke

Etwas abseits der Piste wird dann auch schon baldig das erste Camp aufgeschlagen. Der Aufbau der Gemeinschaftszelte muß eingeübt werden und auch sonst wollten wir uns keinen Streß machen.

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Gemeinsamer Zeltaufbau

Danach baut sich ein jeder seine eigene Schlafstatt, während Gunther Schneider mit seiner Frau Lilijana sich um das Abendessen kümmerte. Meist gab es etwas Leckeres aus der Suppenküche, angereichert und verfeinert vom Chef persönlich und auf einen Nachtisch mußten wir auch nicht verzichten. Klar, daß man in der Wüste Probleme hat frische Ware zu bekommen, aber das Essen war immer schmackhaft und reichlich. Hungern auf einer Tour mag ich gar nicht!
Zwischenzeitlich war von unserem Führer Amor immer schon ein Lagerfeuer entfacht worden und meist war auch schon das erste Wüstenbrot in der Glut gebacken.
Nach dem Abendessen und dem gemeinsamen Aufräumen und Abspülen traf man sich dann am wärmenden Feuer, denn nach Sonnenuntergang wird es empfindlich kühl in der Wüste.

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Lagerfeuerromantik

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…und wenn das Lagerfeuer nicht reicht hilft vielleicht kuscheln

28.12.2006; Tembain

Die Nacht war kühl und feucht. Nicht was ihr schon wieder denkt… :-) Es hatte in der letzten Zeit recht heftige Regenfälle in Tunesien gegeben und auch die Wüste hat so einiges davon abbekommen. Der Sand war schön feucht und fest, was zwar für das Fahren toll war, aber der Camp-Abbau verzögerte sich auch nicht unerheblich, weil alle Zelte und alle Dinge die nachts draußen blieben auch klamm und feucht waren.

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Sonnenaufgang im Nebel

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Eine wärmende Tasse Kaffee – ohne das würde ich nicht mitfahren…

Nach einem ordentlichen Frühstück, natürlich wieder mit selbstgebackenen Wüstenbrot, wurde dann das Camp abgebaut und es ging wieder auf die Piste. Unser heutiges Ziel waren die Berge des Tembain, zwei riesige Tafelberge aus Korallen- und Muschelgestein mitten in der Sandwüste. Zwischen den Bergen hindurch ging es hinunter in eine Senke mit einem uralten Karawanenbrunnen. In den steinigen Boden wurde vor unendlicher Zeit ein 50 m tiefes Loch gegraben, nur leider ist dieser Brunnen, wie so viele andere mittlerweile versiegt.

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Zwischen den Tafelbergen

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Auch kleine Sandhaufen können ihre Tücken haben

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Am Bir Tembain

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Gruppenfoto mit Brunnen

Auf der gleichen Spur ging es dann wieder aus dem Tembain-Becken hinaus. Am Jebil, was einfach nur Berg heißt, machen wir eine Mittagsrast und dann nahmen wir Kurs auf die Oase Ksar Ghilane. Ein Stück folgten wir der autobahnbreiten Piste um sie dann nach Süden zu verlassen und mitten im Niemandsland des Erg Zmilet unser Lager aufzuschlagen. Der Aufbau der Zelte ging nun auch viel einfacher von der Hand und so blieb auch genügend Zeit den herrlichen Sonnenuntergang zu genießen.
Auch mein neues Zelt bewährte sich bestens. Dank eines patentierten Mechanismus wir es mit einem Handgriff, wie ein Regenschirm, aufgespannt. Mit 145 cm Innenhöhe und einem kleinsten Durchmesser von 240 cm ist es auch groß genug, daß man sich darin noch bewegen kann.

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Mein neues Superzelt ;-)

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Vitara im Sonnenuntergang

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Faszinierendes Farbenspiel am Abendhimmel

Abendessen und Lagerfeuer schlossen auch diesen Tag ab.

29.12.2006; Ksar Ghilane

Das morgendlich Warten auf den Sonnenaufgang. Vorher ist es einfach zu kalt um den wärmenden Schlafsack zu verlassen. Brrrr. Sobald die Sonne scheint kann man es wagen die Nase wieder aus dem Zelt zu strecken. Das Frühstück mit heißen Kaffee lockt und so überwindet man den inneren Schweinehund.
Schlafsack und Luftmatratze zusammen legen, das Zelt abbauen, das ganze Gerümpel wieder ins Auto räumen und fest verzurren. Das Ganze wird mittlerweile zur Routine. Auch daß einige Heißsprorne morgens noch ein bisschen mit dem Pickup spielen und sich dabei regelmäßig festfahren und wieder von der Düne gezogen werden müssen. ;-)

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Morgendliche Frühgymnastik

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Holztransporter

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Im Formationsflug über die Piste

Nach einen Abstecher ins Bibène-Gebiet zum Holzsammeln geht es wieder auf die Piste nach Osten. Nach der obligatorischen Mittagsrast am einem Café, kurz vor dem berüchtigten Dünengürtel, geht es immer weiter unserem heutigen Ziel entgegen: Die Oase Ksar Ghilane mit dem dazugehörigen Fort in den Dünen.

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In Reih und Glied am Aussichtspunkt

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Die alte Festung versteckt sich im Sand

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Westliche Auffahrt zum Fort

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Vitara-Video (zum Video, ca. 5,5MB)

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Im Hintergrund ist die Oase zu erkennen

Nachdem wir ausgiebig das alte Gemäuer inspiziert, bzw. andere ihr Vehikel wieder aus dem Sand geborgen hatten, sollte nur noch der Katzensprung in die Oase gefahren werden, um den Tag gemütlich am Pool ausklingen zu lassen. :twisted:
Leichter gesagt, als getan! Die Spur war dermaßen zerfahren, daß wir aller größte Mühe hatten da durch zu kommen. Ein steiler Hang erwies sich für einige als fast nicht zu schaffen, ein andere Teilnehmer stand in bedrohlicher Schräglage in einem Sandloch und konnte erst durch das beherzte Eingreifen eines Berge-Unimogs sicher aus seiner mißlichen Situation befreit werden. Und bei der wilden Hatz durch die Sandberge driftet ich aus der Spur und stand auf einmal mit dem linken Vorderrad auf einem Kamelgrasbüschel, das recht grüßend in die Luft erhoben. Aber genau das ist der Grund, warum man nicht alleine solche Touren unternehmen sollte. Der Kollege hinter mir zog mich mal kurz wieder runter und schon ging die Fahrt um den Busch herum weiter.

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Gerade so geschafft

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Das letzte Stückchen fehlt einfach noch

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Vitara in Not

Mit einbrechender Dunkelheit erreichten wir endlich alle die Oase und schlugen unser Camp im Tamariskenhain auf. Die Bäume schützen gut vor Kälte und Nässe, so daß wir uns den Aufbau des Gemeinschaftszelts sparten. Lieber gingen wir gleich an den warmen Pool um uns den Dreck der letzten Tage abzuspülen.

Im Pool von Ksar Ghilane liegen, den Sternenhimmel über sich und eine Büchse Bier in der Hand – Herz was willst du mehr ???

Fortsetzung folgt…

Mottek

Ungarn 2007.1

Hallo Fans;
Vielleicht schon lange erwartet, vielleicht auch schon lange befürchtet, muß ich mal endlich meinen Reisebericht von meiner letzten Off(On)-Road-Tour zum Besten geben, bevor ich in einer Woche den nächsten schreiben darf.

01.05.2007; Auf der Autobahn

Der Name meiner Website, wenn sie denn irgendwann einmal so richtig mit Leben gefüllt wird, ist www.Tour-Bequem.de und der Name ist Programm!
Er entstand mal als Verballhornung auf den Name der Mutterfirma eines Off-Road-Reiseanbieters, als die Tour-Guides meinten des Abends lieber noch ein paar Kilometer herunter schrubben zu müssen anstatt das Camp zu machen und als stattdessen einen gepflegten Sun-Downer zu genießen.
Jedenfalls ist die Idee einer entspannten Off-Road-Reise, ohne Hektik und Eile, und auch der dazugehörige Freundeskreis bestehen geblieben und so trifft man sich regelmäßig zu gemeinsamen Touren.
Diesmal stand wieder einmal Ungarn auf dem Programm und so ging es am 01. Mai mit Kilometerstand 221037 von Ulm aus los. Über die, dank Feiertag recht ruhige, Autobahn ging es über München, Salzburg und Wien, erstmal zum Neusiedler See. In Wien habe ich nur kurz die neue Südumgehung verlassen um die Pferde zu füttern und schon stand ich in der Warteschleife vor der Abflughalle des Wiener Flughafens Schwechat – da wollte ich nun wirklich nicht hin.
In Neusiedl traf ich dann wieder meine Mitfahrer, zwei Ehepaare aus der Nähe von Ulm, sie waren morgens früher aufgebrochen, um die Abendstimmung am See zu genießen – ich lieber etwas später um gleiches mit dem Frühstück zu machen. 😈
Siggi und Heinz fahren einen dreitürigen Grand Vitara. Der einzige Umbau fürs Gelände war, daß die Original-Anhängekupplung abgeschraubt wurde. Das doof Ding hängt hinten so tief, daß es sich bei unserer ersten Tour ständig als “Erdanker” betätigte. Erika und Wolfgang waren mit ihren Nissan Patrol Geländemonster mit dabei. Einiges an Ulm- und Anbauten sicherten ihnen auch das Vorankommen im schwersten Gelände, aber unsere Tour sollte ja nicht ganz so extrem werden – es war ja Urlaub angesagt.

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Siggi und Heinz mit ihrem Suzi

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Wolfgangs “Orga 3” Patrol

Von Neusiedl fuhren wir dann noch ein paar Kilometer nach Ungarn hinein um im Panzió Hummel in Pér, südöstlich von Györ, Quartier zu beziehen. Im benachbarten Restaurant wurden dann bei einem deftigen, ungarischen Abendessen auch die ersten Liter ungarischen Rotweines und Biers verköstigt. Ihr könnt euch denken, daß dieser Brauch dann auch an den nächsten Abenden gepflegt wurde.

02.05.2007; Durch die Felder

Ausgeschlafen und gut gefrühstückt ging es dann am nächsten Morgen endlich richtig los. Nach einem kurzen Abstecher nach Kisbér, um Lebensmittel, Trinkbares und Bargeldreserven wieder auf zu füllen, verließen wir erstmal den Teer um uns über die “Erdstraßen”, wir würden Feldwege dazu sagen, in Richtung Nordosten voran zu tasten.

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Staubige Pisten durch grüne Felder

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Pause am See

Auch in Ungarn hatte es lange Zeit nicht geregnet und die Sonnen schien kräftig von einem strahlend blauen Himmel herunter, so daß die Erde auf diesen Erdstraßen in fein pulverisierter Form vorlag – Staub!

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Man muß nur schneller fahren als die Staubwolke

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Vor lauter Staub sieht man das Fahrzeug gar nicht mehr

Mächtige Staubwolken hinter uns her ziehend, fuhren wir durch die Agrar-Steppe Transdanubiens auf Tatabánya zu. In den Bergen kurz davor machten wir dann Mittagsrast und verzehrten von den gerade gekauften ungarischen Köstlichkeiten.
Hinter Tatabánya, welches wir links liegen ließen wurde die Landschaft dann auch wesentlich hügeliger. Die schroffen Felskanten erinnerten mich an die schwäbische Heimat meiner Mitfahrer. Wahrscheinlich gefiel ihnen deswegen die Gegend auch so übermäßig.

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Idyllische See in den Hügeln

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Von unten sehen die Hügel einfach nicht so steil aus

Da wir der Ansicht waren, heute genug gefahren zu sein, suchten wir im nächsten größeren Ort nach einer Unterkunft. Im Sziget Panzió in Tarján wurden wir dann auch fündig. Ein nettes, kleines Hotel mit Restaurant und Café. An der Hotelbar noch schnell in trauter Runde den Staub aus der Kehle gespült, bevor es daran ging ihn auch noch vom Rest des Körpers zu entfernen. Ein leckeres, ungarisches Abendessen mit entsprechenden Alkoholikas beendeten dann auch diesen Tag.

03.05.2007; Kultur pur

Über Nacht hatte sich das Wetter ordentlich abgekühlt. Es war richtig gehend kalt geworden und es schienen in der Nacht ein paar Tropfen gefallen zu sein. Also beschlossen wir am heutigen Tage es mit etwas mehr Kultur zu versuchen und das Geländefahren etwas hinten anzustellen.
Der Weg führte uns wieder über Landstraßen weiter nach Nordosten, nach Esztergom an die Donau und weiter nach Visegrád ans Donauknie, wo wir uns erstmal die Ausgrabungen und Restaurationen um den Visegráder Königspalast anschauten. Eine Polizei-Kontrolle, kurz davor, behelligte uns nicht weiter, als sie feststellen durften, daß wir eine Gruppe aus mehreren Geländewagen sind – aber warum müssen die immer mich anhalten?.

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Gruppenbild vor dem Herkules-Brunnen

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Überreste des Königspalastes von Visegrád

Danach ging es hinauf auf die Burg Visegrád oberhalb der Stadt. Ein phantastischer Ausblick über die Donau war der Lohn für das Erklimmen etlicher Stufen. Wenn man die Steinmassen der Burg betrachtet und bedenkt, daß diese alle von irgend welchen Menschen dort hinauf geschleppt worden sein mußten, bekommt man doch ein leicht beklemmendes Gefühl.

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Südtor der Burg Visegrád

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Phantastischer Ausblick auf die Donauschleife

Wieder vom Burgberg hinunter ging es dann erst einmal zum vespern (Tour-Bequem: der Name ist Programm!) und dann entlang der Donau bis auf die Höhe von Vác, um dort mit der Fähre über zu setzen. Bei einigen kamen leichte Erinnerungen an den Film Titanic wieder hoch, während andere das “Donau-Knie” bewunderten. 😉

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Die Titanic läßt grüßen
PS. das bei den Füßen sind die hiesigen Rettungsboote…

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Das „Donau-Knie“ 😈

Hinter Vác ging es dann endlich wieder ins Gelände. Über schmale, zugewachsene Waldwege führte unser Weg weiter nach Nordosten und wenn der bescheuerte Vitara-Tank nicht so klein wäre, hätte es noch endlos so weiter gehen können. Stattdessen sind wir also der Landstraße gefolgt, auf der Suche nach einer Tankmöglichkeit. In Ungarn und besonders in so abgelegene Regionen, welche wir nun aufsuchen wollten ist das Tankstellennetz leider nicht so flächendeckend wie von zu Hause gewohnt.
OK, einmal wieder auf Teer und das heutige Ziel auch über solchige Straßen zu erreichen, bleiben wir darauf und fahren geradewegs nach Herencsény, wo uns Swenja und Günter Gruber schon erwarten.

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Im Wald

Die Grubers haben wie vor Jahren durch einen dummen Zufall gefunden: auf der Suche nach einer Unterkunft, folgten wir einer offiziellen Hinweistafel “Panzió”, welche ansich gar nicht da hängen dürfte, da, nach jahrelangem Bürokratie-Krampf, offiziell der Pensionsbetrieb noch gar nicht genehmigt war… Aber wenn die Verwaltung schon mal Fakten geschaffen hatte, war die offizielle Genehmigung dann kein großes Problem mehr. 🙂

Swenja ist studierte Architektin, was man den liebevoll eingerichteten Zimmern auch ansieht – vor allen Dingen die Bäder haben eine in Ungarn kaum vorstellbare Größe – und Günter, studierter Maschinenbau-Ingenieur und Motorrad-Freak, haben sich vor ein paar Jahren ihren Traum erfüllt und sich in Herencsény eine neue Existenz aufgebaut. OK, Günters Herzblut gilt immer noch zweirädrigen Gefährten, aber auch als Vierradler oder gar Fußgänger ist man hier herzlich willkommen. Swenjas Kochkünste verschweige ich jetzt hier lieber, sonst bekommen wir dort nie wieder ein freies Zimmer. 🙂
Vor dem Abendessen erkundeten Heinz (der mit den GV) und ich noch kurz die Umgebung des Ortes, besonders eine Fahrspur zu einen Hügel über dem Ort hatten es uns angetan. [Alle religiös angehauchten Mitleser mögen diesen Ansatz überspringen…] Es handelte sich um einen „Kreuzweg“ zu einer Kapelle und einem gigantischen Kreuz über dem Dorf und da er auch zweispurig angelegt war gingen wir einfach mal davon aus, daß man diesen „Pilgerweg“ auch automobil bewältigten dürften.

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Auffahrt zum Kreuzberg über Herenczény

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Hier geht es steil bergab…

Der Abend klang dann bei einer riesigen Pfanne voller “Hühnerfüße” und einiger tiefschürfenden Gesprächen mit zwei Zweiradlern aus. Obwohl wir uns in unserer Anschauung recht nahe sind, werde ich nie so recht verstehen warum man auf einem Motorrad stehend die Welt erkunden muß, wenn man dies doch auch bequem in einem Vitara-Fahrersitz erledigen kann…

Fortsetzung folgt…

]V[ottek

Ungarn 2007.2

Und hier geht es weiter…

04.05.2007; Zum Weltkulturerbe

Nach einem ordentlichen Frühstück – wobei mir eine Scheibe Wurst immer noch lieber ist, als die beste Marmelade – stand am heutigen Tag das Weltkulturerbe Hollókö auf dem Programm. Aber erst einmal ging es in den Wald, wir waren ja schließlich nicht zum Vergnügen hier. 🙂
Die Wald- und Feldwege zwischen den Ortschaften dienen hier noch ganz normal zur Fortbewegung und sogar die Wanderer grüßen einem noch freundlich.

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Hügeliges Nordungarn

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Zwischen den Waldgürteln, weite Wiesen und Felder

Die zerfahrenen Fahrspuren in den Niederungen zeugten davon, daß es hier wohl nicht so einfach durch zu kommen sei, wenn das Wetter etwas feuchter wäre. So wurden unsere Vitaras in den riesigen Traktorspuren nur etwas hin und her geschüttelt und Wolfgang schwärmte immer wieder vom Frühjahr, wenn diese Wege für seinen Patrol dann genau die richtige Herausforderung seien.
Auf einem Hügel vor unserm Ziel machten wir dann Mittagsrast mit Ausblick auf die Burgruine Hollókö, zu deutsch: Rabenstein.

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Vitara-Posing

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Wer sagt, daß Off-Road etwas mit Entbehrung zu tun hat?

Als ich das erste Mal in dieser Gegend war, sind wir doch glatt an Hollókö vorbei gefahren. Tja, man sollte halt die Reiseführer vor der Reise lesen. Dafür hatten wir damals hübsche Wege im Hinterland gefunden, über die wir uns nun auch wieder an das Dorf heran pirschten. Natürlich kamen wir dadurch von der “falschen” Seite und durften erst mal mit den Geländewagen durchs Ort fahren…

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Eine kleine Furt vor Hollókö

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Infotafel: wer verkauft hier was…

In Hollókö stellten wir dann die Fahrzeuge auf dem Parkplatz ab und erkundeten das Dorf zu Fuß. Die Damen machten sich sogleich auf zu einer Shopping-Tour durch all die Souvenir-, Töpferei-. Strickwaren- und sonstigen Läden, während wir Herren einfach nur so die Schönheit(en) des Ortes bewunderten. Wolfgang als alter Fernmelder musste sich natürlich noch das Ungarische Postmuseum anschauen, aber dann drängte es uns doch zu einen Espresso und einem Palatschinken als Nachspeise.
So kann man einen Nachmittag auch herum bringen.

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Unser Dorf soll schöner werden…

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Burgruine Hollókö über dem gleichnamigen Dorf

Heinz und ich ließen es uns dann auch nicht nehmen noch mal kurz zur Burgruine zu wandern und uns das Gemäuer von innen anzusehen. So ein Bauwerk ist schon imposant, aber ähnlich wie bei der Burg Visegrád, machte ich mir auch hier Gedanken, wie man diese Unmengen von Steine hier hoch gebracht und verbaut hat.
Die Aussicht war einfach nur atemberaubend…

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Von da hinten kamen wir her…

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Höher geht’s nimmer…

Über schnöden Asphalt ging’s dann wieder zurück nach Herencsény, wo Swenja uns wieder mit einem köstlichen Abendessen verwöhnte. Der Abend endete dann wieder bei Benzingesprächen, Diskussionen über Baustatik und Unterhaltungen über Gott und die Welt.
Beim Gang zu meinem Zimmer deuteten dann auch schon unsere Probleme für die nächsten Tage an: es regnete.

05.05.2007; Im Nebel

Vom heutigen Tag gibt es leider nicht so viele Bilder – es gab schlichtweg nichts zu sehen…
Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von den Grubers um weiter in den Nordosten von Ungarn vor zu stoßen. Unser Versuche den Teer zu verlassen wurden leider von der Wetterlage zunichte gemacht, also versuchten wir das Matra-Gebirge auf normalen Straßen zu durchqueren. Aber ab 600 Höhenmetern wurde aus dem leichten Nieselregen eine geschlossene Nebeldecke, so daß man kaum noch die Hand vor Augen erkennen konnte, geschweige denn die Fahrbahn und noch wichtiger deren Rand. Wir waren heilfroh, als es wieder abwärts ging und sparten uns dann auch den Aufstieg zu Ungarns höchsten Berg, den Kékes (1016 m), zumal dort oben der Ausblick sicherlich nicht besser war. Das nächste Mal…
Wieder vom Berg runter, brachten wir noch mal schnell Trubel in eine kleine Pizzeria, da der junge Wirt auf die schnelle eine Hand voll Pizzen zubereiten durfte. Von seinen Suppen hatte er uns ehrlicherweise abgeraten, das diese “aus der Schachtel” seien und für uns nicht gut genug. Die Pizzen schmeckten jedenfalls hervorragend. Auch hier trafen wir wieder auf ein allgegenwärtiges Phänomen: überall trifft man auf Ungarn, welche ein recht gutes Deutsch sprechen und schon mal irgendwo in Deutschland, bevorzugt im schwäbischen Raum, gearbeitet haben. 😉
Nach der Stärkung ging es dann am Rande des Gebirges entlang in Richtung unseres nächsten Etappenziels: Eger (zu deutsch Erlau, die Ungarn sprechen es “Ägger” aus), die Heimat des Erlauer Stierbluts (Egri bikavér).
Nach einer Stadtrundfahrt, zwecks Hotelsuche, quartierten wir und schließlich im Hotel Minaret ein, direkt am Stadtkern und unterhalb der Festung. Von hieraus erkundeten wir dann am Abend das Städtchen zu Fuß und ließen uns dann in einem netten Restaurant zum Abendessen nieder.
Ach ja, es regnete weiter… 🙁

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Der Dobó-Platz in Eger mit der Festung im Hintergrund

06.05.2007;

An Geländefahren war wegen der Nässe nicht zu denken, also verlagerten wir uns und Richtung Südosten in die Hortobágy-Puszta, schon wieder ein Weltkulturerbe. Nach einer Rundtour durch das weite, flache Land, jeder Menge von Störchen, Reihern und sonstigen Vögeln und noch mehr Vogelbeobachtern, machten wir dann an der berühmten neunbögigen Hortobágyer Steinbrücke Mittagsrast in der dortigen Czárda.

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Mittagspause an der Hortobáger Czárda

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Die neunbögige Hortobágyer Steinbrücke

Solchermaßen gestärkt beschlossen wir unser weiteres (Geländewagen-) Glück in der Sand-Puszta südlich von Budapest zu versuchen, da hier oben die Wege einfach nicht vernünftig zu befahren waren.
Ein kurzer Ausflug zu einem Altarm der Theiß bestätigte uns in unserer Auffassung. Obwohl der Untergrund noch nicht durchweicht und somit recht tragfähig war, bildete sich oben eine dünne Schlammschicht, welche wie Schmierseife wirkte und den Weg höllisch glatt machte. Wir fuhren weniger, sondern schlingerten eher unkontrolliert dem Weg entlang. Mit dem schweren Patrol und den beiden leichten Vitaras wollten wir es nicht riskieren uns irgendwo fest zu fahren und die Nacht in der Wildnis verbringen zu müssen.

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Glatt wie Schmierseife

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Der Hölle entronnen

Wieder festen Teer unter den Rädern ging es dann theißabwärts nach Szolnok, wo wir im Hotel Hozam Unterkunft fanden. Unser Abendessen nahmen wir dann nicht ganz so nobel bei einem Mütterchen in einer kleinen Eckkneipe ein, wobei das keinerlei Abwertung sein soll; das Essen war lecker und preiswert, das Preis/Leistungs-Verhältnis war sehr gut.
Mal schauen was der nächste Tag bringen würde, der Wetterbericht sagte etwas von Aufheiterung…

Fortsetzung folgt…

]V[ottek

Ungarn 2007.3

So, weiter geht’s…

07.05.2007; Endlich Gelände

So, der Wetterbericht sah günstig aus – das Regengebiet verflüchtigte sich nach Nordosten und wir wollten nach Südwesten – passt! Die Sonne kam auch schon wieder raus und es versprach ein schöner Tag zu werden.
Noch schnell ordentlich gefrühstückt, bei dem Preis war das einfach ein Muß, die Autos beladen, anschließend noch eine Stadtrundfahrt durch Szolnok und ab auf die Landstraße. Nach wenigen Kilometern nutzten wir dann die erstbeste Möglichkeit in eine kleine holprige Straße abzubiegen, noch ein bisschen Asphalt und dann lag sie vor uns – eine wunderhübsche Sandpiste mit großen Wasserlöchern aber trotzdem noch sehr festen Untergrund. Wie geschaffen für Vitaras und große Buben… 😈

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Hinein! Sprach Wallenstein…

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Lauter strahlende Gesichter

Es dauerte mindesten Zehn Minuten, bis ich das Grinsen wieder aus dem Gesicht bekam 😀 und auch die Störche schauten ganz irritiert.

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Von einem Ohr zum Anderen

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Wilde Tier schauen dich an

Juhu, endlich wieder etwas anderes als Teer unter den Rädern, so könnte ich stundenlang weiter fahren. Kompasskurs Südwest und ab durch die Mitte – Puszta wir kommen!.
Südöstlich von Kecskemét machten wir dann unsere obligatorische Mittagsrast und schauten dabei ein paar herumirrenden Perlhühnern zu. Da ich noch auf keiner Speisekarte in Ungarn Perlhuhn gesehen hatte, fragte ich mich wann und wo die ganzen Viecher angeboten werden…

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Wo geht es hier weiter?

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Antreten zur Mittagspause

Danach setzten wir wieder Kurs Richtung Kecskemét – meinem Vitara dürstete es…
Vollgetankt kämpften wir uns durch die Stadt, um nach einer kleinen Kaffeepause die letzten Kilometer zu unserer heutigen Unterkunft offroad zurück zu legen. Wolfgang hatte Zimmer auf der Sarlóspuszta geordert und so fuhren wir auf weichen Sandpisten und durch lichte, duftende Akazienwälder unser Ziel an.
Sogar BMW nutzt diese Location, so heißt das heute im PR-Neusprech, für ihre Enduro Trainingstouren, was ein Rudel Motorräder bezeugte, welche auf dem Gelände herum standen.

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Lichte, duftende Akazienwälder

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Etwas für die Motorradfreaks

Abendessen auf der Puszta, den Motorrad-Fuzzies beim Briefing zugeschaut und bis zum Rauswurf im Netz gesurft… Ruckzuck war der Abend auch schon vorbei.

08.05.2007; Puszta pur

Daß Siggi und Heinz früher nach Hause mussten war schon vorher klar und daß Erika sich anschließen wollte und Wolfgang und mich dann alleine in Ungarn zurücklassen würde bereitete mir auch keine Kopfzerbrechen. Ansich war der Tag als Ruhetag geplant und wir wollten nur “ein bisschen Gelände machen”, aber die Damen (ich denke Heinz wäre auch noch gerne einen Tag geblieben… :twisted:) hatten beschlossen gleich den Rückweg anzutreten.
So galt es am Morgen Abschied zu nehmen und die nächsten Tage zu zweit zu verplanen. Wolfgang hatte es übernommen, für Gunther Schneider von Ventura-Tours eine Route durch die Puszta und dann weiter über die Donau in Richtung Westen, zu erkunden.
Also noch mal kurz in die Karte geschaut, die Ärmel hoch gekrempelt und los ging’s.
Nach einem Kurzbesuch im hauseigenen Sandloch fuhren wir vorbei an Mangalica-Schweinen und untermotorisierten Gefährten in einem großen Bogen, um einige Naturschutzgebiete herum in Richtung Kiskörös, um die Stadt wiederum in einem Bogen nördlich zu umgehen. Dabei schauten wir neben der Befahrbarkeit der Pisten auch nach Möglichkeiten um bei schlechtem Wetter einen Imbiss im trockenen nehmen zu können.

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Dünen-Feeling in Ungarn

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Wie auf der Abschußrampe

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Mangalica-Schweine – Colesterinfrei und lecker 🙂

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Zwei PS reichen auch – Begegnung der Dritten Art

An der Donau angekommen checkten wir einen idyllischen Picknic-Platz und die Fahrzeiten der Donaufähre. Dann ging es zurück nach Kiskörös um sich dort das Vinum Hotel anzuschauen.

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An der Donau

Das dem Hotel angegliederte Restaurant hatte geschlossen und so begaben wir uns in die Stadt um etwas zum Essen zu suchen. Seltsamerweise fanden wir rund um den Hauptplatz der Stadt sechs Bankautomaten, aber kein einziges Restaurant; als ob man Geld essen könnte…
Eine kleine Pizzeria erlöste uns dann von unserem Hunger. Auf den letzten Metern unseres Heimweges fing es dann an zu regnen – ein schlechtes Omen.

09.05.2007; Eine Schlammschlacht

Es regnete die ganze Nacht und am nächsten Morgen waren dann unsere Autos blank geputzt – dafür lag der Dreck auf dem Hotelparkplatz… 🙂

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Einmal nur Außen bitte…

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Auch die Kleinen machen Dreck

Also gefrühstückt und nichts wie weg und mit der Fähre über die Donau. In Paks fanden wir auch recht schnell den Weg um die Stadt in Richtung Westen zu verlassen, aber die Straßen wurden immer schmaler, bis sie irgendwann in Feldwege übergingen und sich die ersten Wasserlöcher vor uns auftaten. Der in der Karte eingezeichnete Weg war nicht da, wo er sein sollte, also fing die Sucherei an…

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Wolfgang beim verhandeln mit dem Fährmann

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Die ersten Wasserlöcher

Wir nahmen einen Weg nach Nordwesten, am Waldrand entlang. Aber alle unsere Versuche über den angrenzenden Höhenrücken in Richtung Westen zu kommen waren zum Scheitern verurteilt. Die Staubschicht, welche normalerweise die Wege bedeckt, waren durch den Regen zu einer hochfeinen Schlammschicht geworden, so daß die Fahrzeuge wie auf Schmierseife fuhren und zum Teil nicht mehr beherrschbar waren. Zeitweise bewegte sich mein Vitara diagonal vorwärts: Linkes Vorderrad und rechtes Hinterrad hingen in je einer Fahrspur und die beiden übrigen Räder fanden gerade so Halt auf dem Mittelstreifen. Also Rückzug…

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Mehr schlingern als fahren

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Verdiente Kaffeepause

Nach der Tortur hatten wir uns erstmal einen Kaffe verdient. Über Teer ging es dann weiter zu ein paar Teichen, wo es eigentlich nur galt Fünf Kilometer bis zu nächsten Straße zu überbrücken. Ihr könnt es wohl schon ahnen: – Keine Chance! Nach mehreren vergeblichen Versuchen, einmal landete Wolfgang sogar in einem Misthaufen und konnte sich nur mit Mühe und Not dort wieder heraus befreien, gaben wird den Versuch auf – bei dieser Witterung war mit unseren Autos und einem angemessenen Arbeitsaufwand kein Durchkommen!

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So ein Mist…

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Wildsau

Es war einfach zu riskant nur mit unseren beiden Wagen sich in die Schlammhölle zu wagen. Wenn sich Wolfgang mit seinem Patrol festgefahren hätte, hätten wir schon meinen Vitara eingraben müssen um einen verläßlichen Anschlagpunkt für seine Winde zu bekommen. Einen Tag später und ohne zwischenzeitlichen Regen hätte die Sache vielleicht ganz ausgesehen…
Auch einen letzten Versuch brachen wir lieber rechtzeitig ab, heute war einfach nicht unser Tag!

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Rauf war einfacher als runter…

In Högyész reinigten wir unsere Fahrzeuge vom gröbsten Dreck und machten uns, über die neue Donaubrücke bei Szekszárd, auf den Weg nach Nemesnádudvar, wo wir und in der Knáb Panzió angemeldet hatten. Wolfgang und ich waren hier schon ein paar mal zu Besuch und wurden so vom Hausherren freudig empfangen, auch wenn der Ärmste noch mit dem Ausschachten eines Abflußrohrgrabens beschäftigt war.
Am Abend ging es dann du Fuß durch das Kellerdorf zu einem kleinem Restaurant an der Hauptstraße. Auf dem Heimweg fängt man dann, ob des herrlichen Sternenhimmels oder des genossenen Weines, das philosophieren an…

Fortsetzung folgt…

]V[ottek

Ungarn 2007.4

Das Ende naht…

10.05.2007; Ruhetag

Für heute hatten wir beschlossen einen Ruhetag einzulegen und es etwas abtrocknen zu lassen. Wolfgang wollte noch ein paar Dinge am Computer erklärt haben und an seinem Bordrechner waren noch ein paar Feinschliff-Arbeiten zu erledigen. Also machten wir einen faulen Tag und ließen es uns Abends im Muskátli Fogadó gut gehen. Schließlich ist die Gegend bekannt für ihren guten Wein.

11.05.2007; Bugac-Puszta

Am nächsten Morgen ging es dann wieder auf die Piste. Wir mußten uns sputen, da wegen der Kanalbauarbeiten, das Wasser abgestellt werden sollte.
Als erstes testeten wir eine Off-Road-Abkürzung zu der neuen Donaubrücke und siehe da, sie war auch da, wo sie laut Karte sein sollte, obwohl uns Einheimische gesagt hatten, daß es in diese Richtung keinen Weg gäbe. Das Vorstellung davon, was für uns noch genußvoll befahrbar ist und was nicht gehen hier doch manchmal auseinander. Wobei ich zugeben muß, daß wir in den Regenfällen vor zwei Tagen schlechte Karten gehabt hätten.
Südöstlich, direkt hinter Nemesnádudvar liegt die Steilkante des ehemaligen Donauufers, in dem die Unmengen von Weinkellern hinein gebaut wurden und dahinter schließt sich eine weite Landschaft mit grasbewachsenen Sanddünen und lichten Wäldern an. Diese galt es heute zu erkunden.

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Grasbewachsene Dünen

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Weite Wege

Also hinein ins Vergnügen, kilometerlangen, mehr oder weniger gerade aus verlaufenden Wegen folgend, ging es im Zick-Zack gen Osten. Die Wege in dieser Gegend sind meist in 60° Nordost- oder 150° Südost-Richtung gebaut, so daß wir einige Male einen Haken schlagen mußten um unsere Zielrichtung bei zu behalten.
Bei einer Pause bemerkten wir dann auch die moderne Kunst, welche man mit dem Hochdruckreiniger auf eine Motorhaube zaubern kann. 🙂

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Geradeaus

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Moderne Kunst

Unser Kurs schwenkte so langsam nach Nordosten und dann direkt nach Norden, denn wir wollten ja nicht irgendwann in Rumänien heraus kommen. Über Kiskunmajsa, wo Wolfgang vergeblich nach einem Frisör für seine Lockenpracht Ausschau hielt, ging es die letzten Kilometer auf einer Sandpiste am Rande des Biosphärenreservats Bugac-Puszta neben einer Bahnlinie entlang. Die Strecke ist nicht ganz ungefährlich, das Sand ist teilweise recht tief und vor Jahren durften wir hier schon mal einen Deutschen mit seinem festgefahren PKW bergen. 😈
Wolfgang freute sich, das erste Mal bei seinen vielen Besuchen hier, jetzt auch mal einen Zug auf der Strecke zu sehen…

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So sieht es aus, wenn eine Schafherde die Wege frisch präpariert hat

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Achtung, die Gleise werden noch genutzt

Ansich wollten wir in der Karikás Csárda am Eingang zum Nationalpark nur einen Kaffee trinken und einen Nachtisch essen, aber es gefiel uns hier sehr gut und wir waren ja auch schon genug gefahren, so daß wir nach Zimmern fragten. Siehe da, es war noch zwei Ferienwohnung in einer kleinen Hütte frei und nach kurzer Besichtigung entschieden wir heute hier zu bleiben. Direkt am Rande der Puszta, in einer herrlichen Ruhe und Stille…
Wolfgang fuhr noch mal kurz ins Städtchen und ich beackerte meinen Laptop – Mist, schon wieder kein WLAN, na ja, es währe auch verwunderlich gewesen…

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Wilde Fahrt

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Unsere bescheidene Hütte

Das Abendessen nahmen wir dann in der Czárda ein, umschwirrt von einem Dutzend Schwalben, welche im Dachgebälk ihre Nester gebaut hatten und ständig laut schimpfend uns um die Köpfe kreisten. Zum krönenden Abschluß des Abend setzten wir uns noch mit einer Flasche guten Rotwein bei Kerzenschein auf unsere Terrasse, hörten den Fröschen und Grillen zu und redeten noch ein wenig über Gott und die Welt…

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Ausblick

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Genießer

Frösche und Grillen…

12.05.2007; Back to the roots

Ächz, Anfang Mai kühlt es auch in Ungarn noch erheblich ab und die 1,60 m langen Bettdecken sind auch für die Einheimischen viel zu kurz, na ja, vielleicht für Italiener… 😉 Ich habe dann einfach die vom Nachbarbett mit genutzt – bevor ich friere…
Zum Frühstück hatten wir einen Käse-, Wurst- und Schinkenteller und Marmelade bestellt. Für knapp 8,- Euro bekamen wir ein halbes Schwein aufgefahren, daß ich ihn fast nicht geschafft hätte… 🙂
Von Bugacpuszta sollte es wieder nach Norden zur Sarlospuszta gehen, wo wir schon vor ein paar Tagen genächtigt hatten. Wolfgang wollte sich am Sonntag dort mit einer Reisegruppe von Ventura-Tours treffen und ich würde dann von dort aus die Heimreise antreten.
Nach dem wir uns mal kurz in die Äcker südlich von Kecskemét verirrt hatten (bäh wie langweilig), ging es wieder zurück in die Puszta – weite, ebene Grassteppen, unterbrochen nur von ein paar lichten Wäldern – einfach phantastisch.

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In den Feldern

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Schafherde voraus

In den Wälder findet man bewirtschaftete Höfe genauso wie die Ruinen längst verfallener Ansiedlungen – schaurig schön.

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Bewirtschafteter Pferdehof mit schönen Tieren

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Hier war auch schon mal mehr los

Und zwischendrin immer mal wieder einen unendlich langen Sandweg oder eine Graspiste über eine Weide.
Leider fing es an zu nieseln, aber der Sandboden schluckt erstmal so einiges an Feuchtigkeit, bevor es schwierig wird. Die
gelegentlichen Passagen auf Graswegen waren da schon ein bisschen kniffliger. Wir beschlossen, daß wir für heute Off-Road gefahren seien…

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Der Weg nimmt kein Ende

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Die Anderen fahren hier auch durch

Gerne wäre ich noch zu den Sanddünen von Fülöphaza gefahren oder auch sogar gewandert, aber irgendwie fanden wir den richtigen Einstieg nicht. Na egal, für das nächste Jahr wollen wir ja auch noch Aufgaben haben. Über Asphalt fuhren wir nach Lajosmizse um die Autos zu tanken und ein paar Vorräte und Souvenirs einzukaufen. Wolfgang warf 2.000 Forint in den Hochdruckreiniger um sein Fahrwerk und die Bremsen wieder schlammfrei zu bekommen und ließ es sich auch nicht nehmen meinen Vitara zu beackern. Draußen bildeten sich schon Warteschlangen… 🙂
In einem kleinen Restaurant nebenan aßen wir zu Abend um dann zur Übernachtung auf die Sarlospuszta zurück zu kehren. Daß das keine schlechte Idee gewesen war sahen wir dann an dem chaotischen Hochbetrieb der auf der Puszta herrschte.

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Ihhhh, was glänzen die Autos

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Ein Sandhügel voller Schwalben

Im Hotel durfte ich dann noch Dolmetscher spielen. Ein älteres amerikanisches Ehepaar war mit ihrem erwachsenen Sohn angereist und das Mädel an der Rezeption konnte zwar sehr gut Deutsch, aber kein Englisch und ihre Kollegin war nicht zu erreichen – so durfte ich zwischen ihr und den Amis vermitteln.
Interessant was es so alles gibt: Der Vater des Ehefrau kam aus einem Nachbarort und war 1910 als Fünfjähriger in die Staaten ausgewandert und nun waren sie überhaupt das erstemal in Ungarn um nach noch lebenden Verwandten zu suchen. Von ihrer Mutter hatten sie woanders noch ein paar Cousinen gefunden, aber von der väterlichen Verwandtschaft – keine Spur. Aber sie waren ja auch heute erst hier eingetroffen und wollten sich die nächsten Tage noch mal auf die Suche machen. Auf die Frage nach anderen Beschäftigungsmöglichkeiten, außer der Spuren suche, verwies ich sie auf das touristische Programm der Umgebung: wandern, reiten, Kutschen oder Quad fahren und den Besuch einer Pferdeshow mit ungarischen Cowboys – was sie sehr erstaunte, dachten sie doch bis dahin daß es nur im Amerika Rinderhirten zu Pferde gäbe… 🙂
Mit Wolfgang leere ich noch ein oder zwei Fläschchen Wein und die Betreuer der Motorrad-Ritter erzählten uns etwas über die Ausfallquote ihrer Schützlinge. Tja, zweirädrig Sandfahren geht ganz schön auf die Kondition und Ruck-Zuck liegt man im selbigen und hat sich den einen oder anderen Knochen gebrochen… Ich bleibe da lieber bei meinem Vitara…

13.05.2007; Heimfahrt

Heute ging es ans Abschied nehmen. Meine neuen amerikanischen Freunde waren auch sehr traurig, als ich ihnen eröffnete, daß ich mich auf den Nachhauseweg machen mußte. Keine Ahnung ob sie noch einen Kulturschock bekommen haben, als sie erfahren durften, daß auch noch andere Nationen mit Pferden umgehen können. 🙂
Wolfgang konnte ich getrost zurücklassen, spätesten am Nachmittag würden die ersten Teilnehmer und Helfer der nächstwöchigen Tour eintreffen. Also “Tschüss” gesagt und ab auf die Piste gen Heimat, noch schnell so eine blöde Autobahn-Vignette gekauft und ab auf die Autobahn – satte 1.000 Kilometer ödes Asphaltband lagen jetzt noch vor mir.
Um 10:15 Uhr bin ich losgefahren und war 11,5 Stunden später um 21:45 Uhr endlich zu Hause – boah, ich war geschafft!

Fazit

Nächstes Jahr wieder ❗

Hier noch eine Karte, damit man sich vorstellen kann, wo wir da herum gekurvt sind.
Je heller der Track, desto schneller waren wir unterwegs

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Ungarn 2007 (<-- hier klicken für Google Earth .KML-Datei)

Ende Gelände…

]V[ottek

Tunesien 2006.3

…danke für die Lorbeeren, aber ich bin doch noch gar nicht fertig…

30.12.2006; Am Brunnenhäuschen

Der heutige Vormittag war als Ruhetag geplant und so wurden all die Dinge erledigt, für die man während des Fahrens so keine Zeit hatte. Ich kam endlich dazu meine zwanzig Ansichtskarten zu schreiben, welche ich seit Douz mit mir herum schleppte, nur in ganz Ksar Ghilane gibt es keinen Briefkasten. :-( Selbst im großen Beduinenzelt-Hotel wollte oder konnte mir keiner helfen. Wenigstens nutze ich die Gelegenheit und bestieg mal den Aussichtsturm im Hotel um mir die Oase mal von oben zu betrachten. Die Jungs vom kleineren Campingplatz erbarmten sich dann meiner und gaben die Karten einem der Touristenkutschern mit, der sie dann in Douz einwerfen sollte.
Na ja, drei Wochen später waren diese dann endlich bei den Adressaten… ;-)
Die Fahrzeuge wurden noch mal durch gesehen und die Treibstoffreserven wurden kontrolliert. Ich füllte den ersten Kanister in den Tank. Bis dahin hatte der Vitara ungefähr 30 Liter verbraucht. Nicht schlecht, für 240 km Wüste in drei Tagen. Ich hatte ja noch drei volle Kanister dabei, damit käme ich noch ein paar Kilometer weit…

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Unter den Tamarisken von Ksar Ghilane

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Offroad-Tankstelle

Kurz vor Mittag verließen wir die Oase, natürlich nicht ohne nochmals kurz am Pool vorbei gesehen zu haben. Dabei dürfen wir auch nochmals die Touries bestaunen, die mit einem Kamel als Lasttier zu Fuß in die Wüste marschierten… Für was hat man denn Autos?

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Der Pool von Ksar Ghilane, bei uns würde man ein Kurbad daraus machen…

Heute sollte nur eine kurze Etappe gefahren werden. Ziel war das Brunnenhäuschen am Bir Gif el Boum (oder so ähnlich…) im Qued el Bibène. Über staubige Pisten ging es zurück in Richtung Douz, über den berüchtigten Dünengürtel, mit Mittagspicknick am Café, dann eine kurze Strecke durch ein Trockental und schon liegt am frühen Nachmittag das marabutartige Gebäude vor uns. Eine Gruppe Geländewagen die von Westen kommt will wohl das gleiche Ziel anfahren, aber wir waren schneller..

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Über staubige Pisten

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Tee-Time am Brunnenhäuschen

Sollte es das für heute gewesen sein? Der Tag war noch jung und die Dünen sind in greifbarer Nähe. Nach kurzer Absprache fanden sich dann noch ein paar Unermüdliche, ein Bäumchen mitten im Sand wurde als Ziel auserkoren und ab ging es in die Sandberge. Ein Riesenspaß! Der Sand war fest und tragfähig, so daß die Dünentäler und -kämme eine riesige Achterbahn bilden – hoch und runter.

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Eine riesige Achterbahn

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Am Ziel

Natürlich geht die Spielerei nicht ohne Pannen ab. Jeder hängt irgendwann mal fest und muß wieder frei gezogen werden. Aber dafür sind wir ja hier!
Mich erwischte es an einer kurzen steilen Dünenflanke, wo es unten in einer Linkskurve weiter gehen sollte. Der Sand ist so fest, daß ich mit dem Vitara-Heck darin hängen bleibe und die Hinterräder nicht mehr den Boden erreichen, der rechte Vorderrad steht schon auf den nächsten Düne und das Linke dreht frei in der Luft. Mist! Gut daß wir alle CB-Funk haben und die Kollegen in der Nähe sind.

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Zu wenig Schwung

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Zu eng

Wie schon gesagt: es war eine geile Fahrerei und wir wollten ansich gar nicht mehr runter ins Lager, aber die Sonne ging so langsam unter, die Schatten wurden immer länger und beim hochfahren zum Dünenkamm schaute man direkt in die Sonnen und konnte dann anschließend nur schwer erkennen wie es nun weiter geht. Also trollen wir uns wieder ins Camp, wo wir noch stundenlang von den Dünen schwärmten.
Der Abend wurde dann noch von einem phantastischen Sonnenuntergang gekrönt, welcher die Dünenkette hinter uns in ein zartes rosa tauchte. Die untergehende Sonne hinter dem Brunnenhäuschen und die Venus direkt über dem Horizont ergaben noch so manch tolles Fotomotiv.

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”Dünen”glühen

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Abendstimmung

Wir dachten schon der Abend wäre nicht mehr zu toppen, da servierte Gunther Schneide das Abendessen: Sauerländer Rouladen mit Rotkohl… Mmmhhhh, Lecker!
Daß der Abend dann gemütlich mit ein, zwei Bierchen am Lagerfeuer endete brauche ich, glaube ich, nicht mehr extra zu erwähnen.

31.12.2006; Sylvester

Auch heute morgen haben wir wieder dichten Nebel. In Verbindung mit dem Brunnenhaus und den kleinen Sanddünen kommt unvermittelt der Eindruck eines Friedhofs auf, mit Kappelle und frisch aufgeworfenen Grabhügeln. Gruselig…
Zudem mach meine Digitalkamera zicken, so daß ich wieder meine gute alte Oplympus APS-Kamera heraus kramen muß. Deswegen gibt jetzt hier und da ein anderes Bildformat.

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gruselige Morgenstimmung

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Warten auf die Abfahrt

Frühstücken, Camp abschlagen – die übliche Routine. Heute geht es erstmal wieder zurück in die Zivilisation – nach Douz. Wir fahren vom Brunnen in gerade Linie zum Café Porte du Sahara, Dabei überqueren wir mehrere Dünenfelder. Heute geht das nicht ganze so problemlos wie in den letzten Tagen. Einige Fahrzeuge müssen wieder frei geschleppt werden und einer verliert sogar sein Reserverad unter der Pickup-Ladefläche.

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Hängt!

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So ein blödes Sandloch

Während die “richtigen Geländewagen”[TM] noch im Sand “spielen”, fahre ich meinen Vitara mal auf ein Sanddüne um ein paar Poser-Fotos zu machen. Eine Eisdiele gibt es hier ja nicht… :twisted:

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Ist noch Platz im nächsten VFF-Kalender?

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…und noch ein Bild von vorne…

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…und einmal rund herum…

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Oder lieber das: Die große Freiheit ruft…

Im Café machen wir unsere Mittagspause und fahren dann über eine übele Piste weiter nach Douz zum tanken und zum einkaufen. Früher konnte man hier noch richtig schön heizen, aber nun ist die Strecke von Sandverwehungen nur so übersät. Der weichgefahrene Sand (Fesch-Fesch) in den Spurrillen tut sein übriges um ein Vorwärtskommen zu behindern.

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Mittagspause

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Schon wieder Kaffeetrinken

Nach dem Auffüllen der Vorräte und einem Kaffee auf dem Marktplatz von Douz geht es über Asphalt nach Sabria, einem kleinen Ort südwestlich von Douz. Dort hat man ein altes Französische Fort wieder aus dem Sand ausgegraben und nutz dies nun als Restaurant und Campingplatz.
Für die Sylvesternacht ist dort ein Tunesische Abend organisiert worden – so richtig auf der Tourie-Schiene… ;-)

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Vor dem alten Fort

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Wo geht diese Telefonleitung wohl hin?

Na gut, eine richtige Toilette und Wasser zum Duschen und Waschen haben aus seine Vorteile. Nach ausgiebiger Körperpflege starteten wir mit Glühwein am Lagerfeuer in den Abend. Die aus Douz bekannte Folkoregruppe trat auf, mitsamt der Dudelmusik, Bauchtanz und Jonglageeinlagen. Unter Beduinenzelten wurde dann traditionelles Tunesisches Essen serviert und ruckzuck vergingen die Stunden bis Mitternacht.

24:00 Uhr – Prost Neujahr :!:

Das neue Jahr wurde ordentlich mit Sekt begossen. Das mitgebrachten Feuerwerk wurde abgebrannt und endlich konnte ich die blöden Raketen aus dem Auto räumen, die mich die letzten Tage immer
wieder genervt haben, weil ich ja die Holzstäbe nicht abbrechen wollte. Die anwesenden Tunesier waren hellauf begeistert, so daß ich zum Schluß meine Raketen an die Jungs verschenkte damit diese sie starten konnten. Wie die kleinen Kinder… :-D
Um 01:00 Uhr wurde dann das Notebook heraus geholt und “Dinner for one” gezeigt – Was muß, das muß :!:

Nach dem reichlichen Genuß alkoholische Getränke endete der Tag dann irgendwann früh morgens. Das neue Jahr hatte angefangen und als erstes stand Ausschlafen auf dem Plan. Das neue Jahr könnte nicht besser beginnen…

Einen hab‘ ich noch…

Mottek

Tunesien 2006.4

…so, nun zum letzten Teil meines Reiseberichtes, ich hoffe ich habe bis hierhin keinen gelangweilt!

01.01.2007; Neujahr

Ausschlafen war dann doch nicht so. So ein Zelt ist eben kein ruhiges Hotelzimmer und eine Luftmatratze eben kein breites Bett. Zudem taten einem noch die Knochen weh vom Abend zuvor, als wir stundenlang im Schneidersitz vor den niedrigen Tischchen in den Beduinenzelten gehockt haben.
Egal, neuer Tag – neues Glück!
Das Frühstück viel heute aus, dafür gab es am späten Vormittag einen leckeren Brunch; sogar geräucherter Lachs wurde aufgefahren.

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Noch ein bisschen müde vom Vortag

Nachdem wir uns alle gestärkt hatten und zum Abmarsch bereit standen, wurde ein Track bzw. eine Route ausgeteilt und wir in drei Gruppen aufgeteilt. Die beiden ersten Gruppen sollten sich anhand der Koordinatenpunkte selbständig ihren Weg durch das vor uns liegende Gewirr aus kleinen Chotts und Sanddünen suchen. Die dritte Gruppe um den Tour-Guide behauptete das alles schon zu kennen und eine Abkürzung fahren zu wollen um das Camp herzurichten bis der Rest dann endlich eintrudelt.
Die Warnung noch in den Ohren, möglichst nur dort zu fahren wo erkennbare Reifenspuren die Befahrbarkeit vermuten lassen (was allerdings mehr für die Chott-Durchfahrten gedacht war, wie es sich später herausstellte…), fuhr ich vorne weg und der Troß folgte mir. Die Gruppe war der Ansicht, daß ich mit meinem leichten Suzuki vorneweg fahren sollte, da das Autochen leichter zu bergen sei als ein “richtiger Geländewagen”[TM]. Selbstredend, daß ich ihnen diesen Spaß nicht gegönnt habe!
Mit den Reifenspuren ist das auch so eine Sache; auch Eselskarren hinterlassen solche. ;-) Es ist schon erstaunlich, wo die Tunesier mit den Dingern überall herumfahren und welche Dünen sie damit überwinden. Ein mancher Geländewagen hatte da seine Probleme.
Irgendwie führten uns die gefunden Spuren aber nicht zu den eigentlich geplanten Wegpunkten, so daß wir beschlossen es reiche zur Aufgabenerfüllung sie von Ferne gesehen zu haben. :-)
So zogen wir weiter Richtung Südwesten, bis wir bemerkten, daß Gruppe Drei hinter uns fuhr… Wir blockierten deren “Abkürzung”. ;-)
So kam es wie es kommen musste, unsere Gruppe erreichte als erste das Ziel des heutigen Tage, den Bir Feggoussi, einen alten, aufgelassenen Palmenhain, in der Mitte des Sandmeeres.

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Strategische Beratung – wie geht es weiter?

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Erster :!:

Die Proteste der zweiten Gruppe, wir hätten die Wegpunkte gar nicht angefahren, übergingen wir geflissentlich. Wie sangen schon Queen: “No time for loosers; we are the champions…” ;-)
Die übliche Routinearbeiten zum Abend, Camp und Küche aufbauen, Zelte aufstellen und Lagerfeuer entfachen waren schnell erledigt. Endlich konnten sich die, die ganze Zeit unnötig mitgeschleppten , Sandbleche nützlich machen; zum Abdecken von zwei offenen Brunnenlöchern.

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Für was hat man den Sandbleche?

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Unvergesslicher Sonnenuntergang hinter Palmen

Der Abend endete wie üblich am wärmenden Feuerchen und die einzige Sorge galt den sich rapide verringernden Alkoholvorräten. ;-)

02.01.2007; Sandrosen

So langsam geht unsere Reise zu Ende und man macht sich Gedanken um diverse Mitbringsel. Heute war die Fahrt zu einem Sandrosen-Feld geplant um sich mit den bizarren Schönheiten der Wüste einzudecken. Über kleine Buckeldünen und brettflache Chotts ging es zu einer großen Ebene, über und über bedeckt mit kleinen Haufen von Sandrosen in allen Größen und Formen. Durch geschicktes Timing ;-) ist meine Kiste mit den Biervorräten jetzt leer und so wandern die Gipsausblühungen, eine schönere als die andere, gepolstert durch einige Schaufeln Sand, in diese hinein. Die Jungs, die mir helfen die Kiste wieder zu verladen, heben sich fast einen Bruch daran.

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In voller Fahrt über den Chott

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Unser Führer Amor mit seiner Ausbeute an Sandrosen

Nachdem sich alle ihre Sandrosen gesammelt und sich am Mittagstisch gestärkt haben geht die Fahrt weiter nach Südwesten, zu unserem letzten Nachtlager außerhalb der Zivilisation, zum Brunnen Bir Mehdeth. In Gegensatz zu den zuvor besuchten Brunnen gibt es hier noch Wasser und rund um den Brunnen hat sich eine kleine Vegetationszone gebildet. Die Frage ist nur wie lange noch, denn früher hätte hier mal ein richtiger Palmengarten existiert, von dem jetzt nur Reste übrig wären, berichtet unser Tour-Guide Gunther Schneider.

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Nachtlager am Brunnen Bir Mehdeth

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Die Wüste abschiedet sich mit einem letzten grandiosen Sonnenuntergang

Die Sonne verabschiedet sich nochmals mit einem grandiosen Lichtspiel und der Vollmond steht hoch am Firmament und erleuchtet die Nacht taghell. Nach dem Abendessen trifft man sich im großen Kreis um das Lagerfeuer, erzählt noch ein paar Geschichten und Geschichtchen, die nun wirklich allerletzten Alkoholika werden selbst geleert oder brüderlich verteilt (Wie immer bei so großen Gruppen gibt es natürlich auch unrühmliche Ausnahmen…) und man verabschiedet sich so langsam von der Wüste. Morgen geht es zurück in die Zivilisation.

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Der letzte Abend am Lagerfeuer

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Mondhelle Nacht

03.01.2007; Unfall

Ein letztes Mal das Camp abbauen, Schlafsack und Luftmatratze verstauen, das Zelt abbauen und dann alles wieder ins Auto räumen, verstauen und fest zurren. So langsam hat man sich daran gewöhnt. Es geht zurück nach Douz, wo eine warme Dusche, ein reichhaltiges Abendessen-Büffee, ein paar kühle Bierchen und anschließend ein richtiges Bett auf uns warten. Die Wüste macht einem Bescheiden.
Ein letztes Mal geht es über versandete Pisten und topfebene Chotts. Den Spaß muß man auskosten solange es noch geht…

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Auf dem Rückweg fahren wir gegen die windabgewande, steilabfallende Seite der Dünen

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Wie auf einer Autobahn

Daß die Chotts tückisch sind hatten wir schon am Vortag “erfahren”. Der Boden sieht zwar fest und tragfähig aus, ist aber im Gegenteil recht weich und die Autos versinken darin etliche Zentimeter, wenn man die festgefahrenen Spuren verläßt. Der Boden ist richtiggehend Kräfte zehrend und selbst mit Vollgas kam ich kaum über die 60 km/h hinaus. Trotzdem schwärmen wir in breiter Front aus und jeder sucht sich seinen Weg, das grenzenlose Gefühl der Freiheit genießend.
Dann passierte, was so eigentlich nicht passieren sollte. Ein Mitfahrer übersieht bei voller Fahrt das 50 cm hohe Dünchen am Ende des Chotts, das Auto wird in die Höhe katapultiert und schlägt nach drei Metern freiem Flug mit der Schnauze voran wieder in die Düne. Wie bei einem Granateinschlag spritzt der Sand in alle Richtungen davon. Das Auto macht einen halben Kopfstand und fällt dann wieder auf alle vier Räder zurück. Gottseidank ist der Fahrer angeschnallt und ihm passiert nichts. Das Glück hat die Vorderachse leider nicht; die massive ARB-Windenstoßstange hat zwar einiges abgefangen, aber das rechte Vorderrad hat etwas abbekommen und der Wagen steht irgendwie X-beinig da.

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Vorderachse gebrochen

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Einsam steht ein Auto im Chott

Krisenmanagement ist angesagt. Nach dem klar war, daß keine Personenschäden zu verzeichnen sind wird das aus der Vorderachse auslaufende Öl aufgefangen und der Schaden begutachtet. Schnell ist klar: Das Auto fährt so keinen Meter mehr!
Gut daß das Mobiltelefonnetz in Tunesien recht gut ausgebaut ist und wir nicht mehr weit vom nächsten Ort entfernt sind. Der Abschleppdienst in Douz wird benachrichtigt und zur Unfallstelle beordert. Derweil zieht sich der Rest der Mannschaft, erst einmal zur Mittagsrast an eine nur wenige hundert Meter entfernten Quelle zurück. Die Stimmung ist nun nicht mehr ganz so fröhlich und das Warten beginnt.
Der Abschlepper kommt und kommt nicht bei und irgendwann reist der Geduldsfaden. Daran, daß in Tunesien nicht alles so schnell geht, sollte man sich gewöhnen, aber hier läuft irgend etwas schief. Also wechselt man auf eine 3-Gruppen-Strategie: ein Fahrzeug bleibt beim Verunfallten, zwei weitere fahren mit dem einheimischen Führer zur nächsten Hauptstraße und schauen wo der Abschlepper bleibt und der Rest der Gruppe fährt mit Gunther Schneider eine andere Strecke, ebenfalls Richtung Hauptstraße und dann weiter nach Douz ins Hotel. Die geplant Ausfahrt an den großen Salzsee Chott el Jerid muß aus verständlichen Gründen entfallen. Wir streifen auf der Rückfahrt nur ein paar Ausläufer.
Spätnachmittags sind wir dann wieder in unserem Hotel Saharien Paradies in Douz. Schnell noch die Autos getankt und dann ab unter die warme Dusche. Herrlich. Leider ist das zum Hotel gehörende Thermalwasser-Schwimmbad nur mit kaltem Wasser gefüllt, sprich es läßt keiner warmes Wasser nachlaufen. Ärgerlich, da ich mich schon auf ein paar Runden im Pool gefreut hatte.

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Ausläufer des Chott et Jerid

Kurz vor dem Abendessen trafen dann auch der Havarist und sein Bergetrupp im Hotel ein.
Über die Bergeaktion, bei der ich leider nicht dabei war, werden wohl noch in Jahren an den Lagerfeuern berichtet werden: Statt eines kräftigen Unimog schickte der Abschleppdienst einen altersschwachen Landy mit selbstgebastelten Kranaufbau. Beim Anheben des Unfallwagens bogen sich schon die Blattfedern und der Kran, so daß jeder dacht “Gleich bricht die Kiste zusammen”. Beim Losfahren hoben sich die Vorderräder des Landy, wie beim Traktor-Pulling, in die Höhe und in der ersten Düne steckte er dann fest. Ein weiteres Fahrzeug mußte vor den Landy gespannt werden um diesen zu ziehen, gleichzeitig schob das Unfallauto, dessen Hinterachse ja noch in Ordnung war.

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Legendäre Bergeaktion

In Douz wurde der Unfallwagen dann begutachtet und, da eine Reparatur dort technisch und zeitlich nicht möglich war, gleich auf einen Autotransporter verfrachtet und nach Tunis geschickt. Wenn man Tunesien mit dem Auto betritt wird dieses in den Reisepaß eingetragen und ohne kommt man nur mit großen Schwierigkeiten wieder raus. Jedenfalls saßen Gunther Scheider, der Unfallfahrer, unser Führer und der Chef vom Abschleppunternehmen noch bis tief in die Nacht um den ganzen Papierkrieg zu bewältigen.

Der Rest feierte derweil seine letzte Nacht in Douz.

04.01.2007; Douz – Tunis

Alles geht einmal zu Ende und so auch unser Aufenthalt in der Wüste. Frühmorgens, gleich nach dem Frühstück, verließen wir Douz und machten uns wieder auf den Weg nach Tunis. Diesmal fuhren wir über Kebili, dem Chott el Fejaj (dem nordöstlichen Ausläufer des Chott el Jerid), an den Resten des römischen Limes in Afrika vorbei und über Gafsa in Richtung Kairouan um gleich dahinter über die Autobahn nach Tunis zu gelangen. Ich kann nicht sagen was schlimmer ist, gegen die tiefstehende Sonne nach Douz zu fahren oder in den Feierabendsverkehr von Tunis hinein zu geraten. Wenn einem dann noch ein paar trottelige Österreicher mit ihrem Expeditions-Mobil fast von der Straße kicken, wird es auch nicht lustiger…

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So weit man sieht: nur Salzsee

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Am Limes, wie zu Hause ;-)

In Tunis waren wir auch wieder im gleichen Hotel am Hafen. Nach dem Abendessen ging es dann in die hauseigene Disco, es galt die letzte Nacht in Afrika zu feiern.

05.01.2007; Tunis – Genua

Machen wir es kurz; der Urlaub neigt sich langsam seinen Ende zu. In La Goulette, dem Hafen von Tunis, tanke ich noch mal alle Kanister und Tanks voll. Bei einem Sprittpreis von umgerechnet 0,67 €uro wünscht man sich einen größeren Tank. Wir fahren recht zeitig zur Fähre und werden fast durchgewunken, in Nullkommanichts sind alle Formalitäten erledigt und ich stehe schon vor der Laderampe. Und was ist mit meinen Mitbringsel? Also erst noch das Auto an die Seite geparkt und hinein in den Souvenierladen, die letzten Dinar auf den Kopf zu hauen. Die Zöllner schauten zwar skeptisch, aber der Verkäufer war nachher mein Freund. ;-)
Auf der Fähre durfte ich mal wieder oben stehen; Glück gehabt dachte ich…
Die Fähre legte dann auch relativ pünktlich ab, nur eine Stunde Verspätung und die Auslastung lag im Rahmen des üblichen
Das Mittelmeer zeigte sich von seiner rauhen Seite und beim Abendessen fehlten dann schon einige.

06.01.2007; Genua

Am nächsten Morgen ist es dann ruhiger, wenn das Schiff unter Land an Sardinien und Korsika vorbei fährt.
Genua erreichen wir fast pünktlich und das Geschiebe und Gedränge zu den Autodecks beginnt. Da wir alle relativ weit vorne stehen hoffen wir auch gleich raus zu können, Daß das Mitteldeck erst leer gefahren wird ist ja noch zu verstehen, daß dann aber erst das Nachbardeck ausgeladen und dies dann hoch und runter gefahren wird um ein paar LKWs raus zu lassen… Ob da auch jemand Kugelschreiber dabei hatte?
OK, zwei Stunden später war ich dann endlich auf der Autobahn Richtung Norden. Die italienische Grenzformalitäten beschränken sich zwar nur auf einen Zettel, dafür ist das dortige Chaos bei der Ausfahrt um Längen schlimmer als in Tunesien.

Um 21:00 Uhr war ich dann bei Freunden in Ulm. Ansich wollten wir in die Pizzeria, aber die Mitfahrer kamen einfach nicht bei: den einen erwischte ein kapitaler Motorschaden gleich hinter Bregenz, die anderen hatten noch mit einem Plattfuß und mit Batterieprobleme zu kämpfen.

Karte

Damit man eine Vorstellung bekommt, wo wir in Tunesien herum gekurvt sind:
– Oben in der Mitte ist die Oase Douz am Chott el Jerid
– Unten in der Mitte findet sich das Becken des Tembain
– Unten – Links findet sich die Oase Ksar Ghilane
– Unten – Rechts ist dann der Brunnen Bir Mehdeth
Das Satellitenbild erstreckt sich ca. 120 km Ost – West und ca. 100 km Nord – Süd

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Fahrstrecke Tunesien 2006

Fazit

Zu Hause hatte ich dann 19790 km auf dem Tacho, In zwei Wochen bin ich knapp 3370 km gefahren. Den Verbrauch habe ich nicht aufgeschrieben, aber wenn man den Wagen auf der Autobahn gleichmäßig laufen läßt hält er sich in Grenzen. Einen Liter Öl habe ich auch nachgefüllt, was bei einem Motor mit fast 220.000 km auch nicht schlimm ist.
Bis auf das Problem mit der Fahrertür, die nun beim öffnen durchhängt, verlief die Fahrt ohne technische Pannen und auch das Durchhängen der Tür ist kein spezifisches Problem dieser Wüstentour, sonder eher ein Problem des Alters…

Ventura-Tours und Gunther Schneider als Reiseveranstalter kann ich nur empfehlen. Neben Voll-Verpflegung, kompetenter Touren-Führung und individuell auf die Teilnehmer abgestimmter Touren stimmt auch im Fall des Falles das Krisenmanagement.

Ich hoffe euch haben meine Ausführungen gefallen und vielleicht trifft man sich ja einmal am Pool von Ksar Ghilane zu einen Kaffee. :cafe:

Mottek

Tunesien 2006.Bonus

Hallo Leute;

Anbei habe ich noch ein paar schöne Bilder und Anekdoten, welche ich bei meinem großen Reisebericht ausgespart habe. Man muß uns ja im Internet nicht ewig beim Verspern und Pausemachen betrachten oder sich das Maul darüber zerreißen, welches nun der bessere Geländewagen ist. Vielleicht ist es nur Zufall, daß ich den einen oder anderen festhängenden Wagen öfters abgelichtet habe oder auch nicht… 😉

Jedenfalls habe ich hier noch ein paar persönlichere Bilder zusammen getragen. Ich habe diese Serie nicht im Internet veröffentlicht und habe dies auch nicht vor, noch wollte ich sie an Leute verschicken, die nicht bei der Tour dabei waren, weil die einfach nicht mitreden können. Ich bitte darum, daß ihr das genauso handhabt und diesen Bonus-Teil meines Reiseberichtes von unserer Sylvester-Tour 2006 nicht wahllos weiterleitet.

So, genug geredet, hier die Bilder…

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Prost! Die Reise kann losgehen…

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Leckeres Frühstück in Tunis

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Und schon wieder beim essen

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”Die armen Schafe, ich kann jetzt kein Schafsfleisch mehr essen…”
Aber Schafsfelle kaufen? Ob die Schafe diese wohl freiwillig ausgezogen haben? 😉

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4×4-Werkstatt in Douz

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Vermummungsverbot

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Wenn er sitzt, dann sitzt er…

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”Ich bin die Zuckerpuppe, aus der Bauchtanztruppe…“

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Tanzende Derwische 😉 (zum Video, ca. 11MB)

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Bis zur bitteren Neige…

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Kampf mit den Zeltstangen

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So kann man das Leben genießen…

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Na, wer macht das schönste Foto?

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Hmmmm, das schmeckt!

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Lauter Schaulustige

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Grübel… wie komme ich da hoch?

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Die Wachposten beobachten die Bergeaktion…

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…und Amor grinst von einem Ohr zum anderen

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Auf der Mauer, auf der Lauer, …

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Das Damenteam am Berg der Verzweiflung

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Und es wollte einfach nicht klappen

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Tunesischer Schaukelstuhl

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Full Speed

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Wo geht es denn hier weiter?

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Kein Netz! Macht nichts, es sind ja auch keine Fische da…

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Sonnenaufgang am Bir Gif el Boum

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Wir waren hier…

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Jubel…

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Olympiada Cervezera

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Da strahlen Zwei um die Wette

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”Ramontischer” Sonnenuntergang

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Safari in Tunesien

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Festgefahren

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Lagerfeuerromantik

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Aua, hier fehlt ein Stück Reifenspur

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Der Sand steckt bis in den Federn

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Auf der Rückfahrt

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Joschka, unser Wachhund

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Stürmische Überfahrt

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Wir freuen uns alle auf das nächste Mal

So, ich hoffe euch haben die Bilder gefallen.
Wenn nicht, müssen wir wohl nochmals runter fahren und neue machen. 😉

Bis demnächst, sei es auf einer Düne bei Ksar Ghilane oder in einem Schlammloch in Ungarn oder auf einsamen Schotterpisten in den Alpen…

Volker

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