So nachdem ich nun die Trackaufzeichnungen und die Bilder bearbeitet habe hier der erste Teil meines Reiseberichtes…
07.07.2006; Abfahrt
So, das Auto ist getankt und beladen, die Koffer sind gepackt und es geht mit nur 4 Stunden Verspätung zu meinem internen Zeitplan auf die Autobahn. Ab in den Süden. Also, alles wie immer.
Heute geht es noch bis in die südliche Schweiz, bis kurz vor dem großen St. Bernhard. Nachtquartier ist in einem gemütlichen Berggasthof in Liddes, für 40,- SFr (ca. 30,-€).

Nachtquartier
08.07.2006; Pässe satt
Um schnell in den Süden zu kommen könnte ich jetzt den Tunnel und die Autobahn nehmen, aber ich war ja zum Vergnügen hier…
Also hinauf in die Berge: über den großen St. Bernhard (2469 m; Kz 218 im Denzel, 22. Auflage), dem kleinen St. Bernhard (2188 m; Kz 401) und den Col de l’Iseran (2764 m; Kz 470) ist das Hotel Malamot unterhalb des Lac du Mont Cenis (2083m; Kz 485) mein heutiges Ziel.

Kleiner St. Bernhard, ganz groß

am Col de l’Iseran
Zwischendurch noch schnell ein Abstecher zum Fort Redoute Ruinée (2400 m; Kz 469) oberhalb des kleinen St. Berhard-Passes. Bei der Abfahrt hat es mich dann erwischt. Da ich nicht unbedingt immer die gleichen Wege fahren möchte und in der Karte eine Alternative eingezeichnet war, hab ich diese natürlich auch genommen. Aber nach ein paar hundert Metern steilster Weg, war diese nicht mehr zu erkennen und es ging nur noch geradeaus der Skipiste hinunter. Ansich kein Problem für einen Vitara, wenn da nicht am Ende eine Querrinne zur Wasserabfuhr gewesen und ich sie nicht zu steil angegangen wäre. Langer Rede kurzer Sinn; ich hing fest, Vorne links und hinter recht je ein Rad in der Luft, der Rammschutz in den Hügel eingegraben und weit und breit kein Baum zum herausziehen…
Ich habe dann nach einigen Fehlversuchen den Wagenheber unter das Vorderrad gesetzt und es hoch gedrückt um das Loch mit genügend Steinen auszufüllen. Das gab dann genügen Gripp um rückwärts wieder frei zu kommen. Puh! Glück gehabt… Beim zweiten Anlauf kam ich dann problemlos drüber.

Auffahrt zum Fort Redoute Ruinée (rechts im Schatten)

…steil bergab…

Multifunktionspiste, ca 1000m lang bei 300m Höhenunterschied
Vor dem Abendessen ging es noch kurz zum Fort Variselle oberhalb des Mont-Cenis-Stausees um die Abendstimmung in dem Gemäuer zu geniesen.

Abendstimmung am Fort Variselle

Geisterdorf am Lac du Mont Cenis
Danach war Abendessen und Fußball angesagt. Die anwesenden Franzosen und Italiener hatten keine Probleme damit, daß Deutschland Dritter wurde, Hauptsache sie waren im Finale. Ich habe ihnen versprochen, daß in vier Jahren alles andes sein würde… ![]()
09.07.2006 ; Ans Meer
Oder doch nicht so ganz… Erstmal galt es noch ein paar Pisten rund um den Lac du Mont Cenis zu erkunden. Über die geschotterte Süduferstraße ging es erstmal zum Col du Petit Mont Cenis (2182 m, Kz 488) (obwohl der 100m höher liegt als der Große…???) und, weil kein Verbotsschild stand, noch ein bischen weiter. Zwei Kilometer weiter im Tal versperrte dann ein etwas schmal geratene Viehgatter die Weiterfahrt. Aber die schönen Ausblicke waren die Mühen wert gewesen.

Endstation
Also zurück und den nächsten Hochpunkt ins Visier genommen: Fort de la Turra (2510 m, Kz 486). Durch ein Tal mit blühenden Alpenrosen zieht sich der Weg hinauf bis zu einer Stelle, wo ein Felssturz in Form eines Hinkelsteines die Weiterfahrt blockiert. Die Umfahrung gleicht einem Trümmerfeld mit den vielen wirr herumliegenden Steinen. Auf der anderen Seite geht es dann in mehreren Serpentienen über einen steinigen, ausgewaschenen, buckeligen und schrägen Weg zum Fort hinauf. Vom Fort aus hat man einen herrlichen Blick (und Schußfeld…
) auf den Col du Mont Cenis und den Stausee.
Leider ist das ganze eine Sackgasse, so daß es nach einer ausgiebigen Besichtigung wieder den gleichen Weg zurück geht.

Hier purzel wohl öfters ein paar Steine herunter…

…und einer ist mitten auf der Fahrbahn liegen geblieben.

Das Fort liegt noch ein paar Meter über dem Endpunkt der Straße…

…wobei Straße nicht die ganz zutreffende Bezeichnung ist.
Mittlerweile war die Zeit doch etwas weit fortgeschritten und so galt es sich nun zu sputen und ein paar noch geplante Abstecher wurden auf ein andermal verschoben und über Susa, Turin, Cuneo, dem Tende-Tunnel (1321 m; Kz 445), dem Roya-Tal und dem Ort Brunetti nach Rocchetta-Nervina zum Treffpunkt für die gebuchte Tour.
Der Tende-Tunnel hatte es diesmal in sich; halb Italien schien am Sonntag am Meer gewesen zu sein und wollte nun unbedingt rechtzeitig zum WM-Finale durch dieses Rattenloch zurück… Horror! Ich war heilfroh dort unversehrt wieder heraus gekommen zu sein. Dafür entschädigte die Fahrt über Brunetti ins Nervia-Tal; noch ein Geheim-Tipp. Hinter Trucco, bei den Mülltonnen, von der Ss20 abbiegen und immer der geteerten Straße Sp92 berauf folgen. In sehr engen und steilen Windungen klettert man durch Olivenhaine den Berg hinauf, auf ca. 2,5 km überwindet man 350 Höhenmeter.
Im Hotel Lago Bin wurde ich schon sehnsüchtig erwartet. Nach einer kurzen Kennenlernrunde, die meisten Mitfahrer kannte ich schon von anderen Gelegenheiten, ging es dann zum Abendessen. Das Essen war lecker, nur die Kellner ließen in ihrer Aufmerksamkeit ganz schön zu wünschen übrig, was aber auch kein Wunder war, stand doch ein Fernseher im Speiseraum: Fußball! Naja, am Abend war dann Feiern mit den Weltmeistern angesagt. Wer gewonnen hatte war mir persönlich egal, Hauptsache es gab Freibier… ![]()

Weltmeister!
10.07.2006; Los geht’s
Am nächsten Morgen ging es dann richtig los. Die Autos noch schnell vollgetankt und dann ab in die Berge auf den südlichen Teil der Ligurischen Grenzkamm-Straße Richtung Passo Gouta (1213 m, Kz 449). Außer mir besteht unsere Truppe noch aus dem Tour-Guide Gunther Schneider von Ventura-Tours mit seinem niegel-nagel-neuen Nissan Navara, ein Freund von mir mit seinem Sohn in einem Nissan Patrol, ein älteres Ehepaar aus der Gegend von Northeim mit einem Ford Explorer und einem Einzelfahrer, der mit seinem Jimny „Isländer“ die Fraktion der Suzuki-Fahrer stärkte.
Über eine ausgewaschene, grobschottrige Piste geht es immer am Hang entlang in die Berge. Teilweise kann man von hier aus das Meer noch erkennen. Vorbei an alten Militärkasernen und moderneren Kuhställen windet sich die Straße durch die verschiedenen Vegitationsstufen… Erst noch bestellte Grundstücke, dann Buschwerk und zu guterletzt fährt man im Walde. Und überall das gezirpe der Zikaden.

Schotter!, sehr grob…

Im Hintergrund sollte das Meer zu sehen sein…
Hinter einem Tunnel hemmt ein Felssturz unser Verwärtskommen. Die cleveren Italiener habe, satt deie Felsen beiseite zu räumen, einfach Schotter aufgefüllt um die Überfahrt zu ermöglichen. Einzig unser Führungsfahrzeug hat leichte Probleme, wegen des Radstandes und der nicht gegebenen Bodenfreiheit, und fährt sich doch glatt den ersten Kratzer in die Trittleisten… ![]()

Zentimeterarbeit
Nach einer ausgiebigen Mittagspause am Col de Gouta ging es wieder hinunter ins Nervia-Tal um über Pigna (280 m) und den Colla di Langan (1127 m) in den mittleren Teil der Ligurischen Grenzkamm-Straße (Kz 446) einzusteigen. Über Colla Melosa (1540 m), Col Bertrand (1779 m), ging es zum Colla di Sanson (1694 m). Von dort aus führte uns ein Weg wieder talwärts über halbverlassene Dörfer und einer Brücke für Bungy-Jumper mit praktischerweise einer Kirche gleich nebenan, ins Städtchen Triora (765 m). Das Albergo Colomba d’Oro (Goldene Taube) sollte für die nächsten beiden Tage unser Quartier sein. Die Zimmer sind liebevoll eingerichtet und das Essen ist hervorragend. Die junge Wirtin spricht sehr gut Deutsch und hat mich schon mal vor der Polizei gerettet; aber das ist eine andere Geschichte…

Nervia-Tal von oben

Auffahrt auf den Col Bertrand

…immer an der Wald ‚lang…

Feierabend!
Wird forgesetzt…
Mottek






